Das Ruhrgebiet Magazin Trailer über den Tempel.
Ausgabe August 2011.

 

 

               „Trailer“ / Story: Buddhismus in Dortmund

                Thailändischer Tempel „Wat Dhammabharami“  =

Dortmund. Der frühere Kindergarten einer serbisch-orthodoxen Kirche dient mittlerweile als Heimat für tiefgläubige und gastfreundliche Mönche: Vor vier Jahren erwarb der thailändisch-deutsche Kulturverein „Wat Dhammabharami“ ein Grundstück im Stadtteil Kley und baute einen eher bescheidenen Bungalow mit Genehmigung der Stadt Dortmund zu einem buddhistischen Kloster um. Im Gegensatz zu vielen islamischen Moscheen, jüdischen Synagogen oder hinduistischen Tempeln versprüht das Flachdach-Gebäude von außen einen äußerst spartanischen Charme, im Inneren dürfen dagegen - entsprechend der gängigen Vorstellungen -  Blumenschmuck, gold-glänzende Buddhas, Räucherstäbchen oder unzählige Kerzen nicht fehlen. Dass das kleine Wörtchen „Om“ als mystische Silbe in heiligen Texten häufig in hundertfacher Wiederholung erklingt, versteht sich fast von selbst.    

Täglich ab 6 Uhr morgens widmen sich die beiden freundlich-aufmerksamen Bewohner Phrakrusamu Sanga und Phrakruparad Niphon, der seit 1999 in der Westfalen-Metropole lebt und sich in der mittelindischen Literatursprache Pali ausdrückt, bevorzugt im Lotussitz ihren zahlreichen Ritualen. Gemäß der praktizierten „Waldtradition“ liegen die Schwerpunkte vor allem in der Meditation, Unterweisung in buddhistischer Lehre und Lebensführung sowie praktischer Seelsorge. Ob Kleidung, Essen oder Reinigungsmittel - den bescheidenen Alltag finanzieren die sechs Mal am Tag betenden Mönche in ihren braunen Gewändern ausschließlich durch Spenden. Der Zeremonienraum in der Engelbertstraße, der auch als Kulisse für den Kinoklassiker „Sieben Jahre in Tibet“ durchgegangen wäre, erfreut sich großer Nachfrage für Hochzeiten, Geburten oder besondere Geburtstagsfeiern.  

Im Unterschied zu Dorf-Mönchen gelten im Dortmunder Tempel, in dem Mitte Juli der „Wan Asalhapuja-Tag & Kao Pansa Tag“ feierlich begangen wurde,   strengere Traditionen und mehr Gebote - so sind beispielsweise Tanzvorführungen oder Verkaufsstände nicht erlaubt, rituelle Gesänge dürfen wiederum natürlich nicht fehlen. Die direkt aus der Schale eingenommenen Mahlzeiten von kräftig gewürzten Schweinefleischspießen, Reis mit scharfer Fischsauce bis zu gebratenen Nudeln werden nach Vorankündigung gerne mit Gästen geteilt. Ansonsten gelten die mit unnachahmlicher Gelassenheit ausgestatteten Mönche, die nicht berührt werden dürfen, gerade bei thailändisch-deutschen Familien wahlweise als Glücksbringer, Friedensstifter oder Beschützer vor negativen Energien - nicht nur Schulklassen bei ihren regelmäßigen Exkursionen sind für solche Einblicke in die häufig unbekannte Religion und spannende Kultur dankbar.

Sechs Prinzipien gelten übrigens im Buddhismus: Neben der Sittlichkeit dreht es sich konkret um die Verbote zu töten, zu stehlen, die Ehe zu brechen, bewusst zu lügen und den Geist zu berauschen. Oberstes Ziel für alle Glaubensanhänger ist es dabei, sich keine Fehler zu erlauben, um nach dem Tod ins Nirwana eingehen zu können. Wer dieses umfassende Thema vertiefen möchte, kann individuelle Fragestunden mit den Mönchen vereinbaren. Frank-Michael Rall