einem vorgelegten Nahrungsmittel nicht vorteilhaft auf das Wohlbefinden wirken, so ist es besser, nichts davon zu essen. Äße man sie dennoch, so würde man nur den Körper schädigen und im Geiste dukkha und Angstgefühle bewirken. Wer aber nur einmal am Tage isst, achtet wahrscheinlich sehr genau auf sich selbst, sodass er nicht vom Wohlgeschmack der verschiedenen Nahrungsmittel verleitet wird.
Ob ein Dhutanga Kammatthana Bhikkhu die Praxis ausübt, im Schatten eines Baumes zu leben (rukkhamula), als regelmäßige Pflicht auf pindapata geht oder regelmäßig nur einmal am Tage isst, all dies sind lediglich seine eigenen Trainingsmethoden, um Druck auf die kilesas auszuüben, die zu Unruhe und Instabilität des citta führen. Durch dieses Training wird die Kraft der kilesas beschnitten, sodass sie nicht mutig und vital genug sind, um ungestüm wie ein störrisches Pferd auf dem Schlachtfeld auszukeilen. Daher besteht der Wert, der aus diesen Dhutanga-Praktiken gewonnen wird, darin, dass sie Körper und Herz leicht machen und beflügeln, sodass sie sich leichter als normalerweise trainieren lassen. Der Körper hat dann nicht so viel Vitalität, dass er zu einer Belastung für das citta wird, als wenn man ihn so viel essen, hier und da eine Zwischenmahlzeit einnehmen oder etwas naschen lässt, was äußerst hemmungslos wäre. Dies unterscheidet sich sehr von der Lebensweise der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die lernen und sich darin üben zu wissen, was bei allem, womit sie zu tun haben, vernünftig und angemesssen ist.
Aus der Almosenschale essen
Dies ist die dhutanga, aus einem einzigen Gefäß zu essen, was bedeutet, dass man alle Nahrung aus der Almosenschale zu sich nimmt, worin sie gesammelt wurde. Sowohl Pikantes als auch Süßspeisen befinden sich in nur einer Schale und werden nicht in getrennten Gefäßen außerhalb der Schale aufgetragen. Dies würde nämlich in der Tendenz Gefräßigkeit und Völlerei fördern, was im Widerspruch zum Wesen eines Dhutanga-Bhikkhu steht, der sich entschlossen hat, einfach zu leben und mit wenig zufrieden zu sein. Dies ist richtig und angemessen für ihn, denn dann ist er nicht mit all den Vorbereitungen für Essen, Sitzen, Schlafen und so weiter befasst.
Der Wert, den Bhikkhus durch das Essen aus der Almosenschale gewinnen, kann groß sein. Dies hängt von der Stärke der Achtsamkeit und der Weisheit des Einzelnen ab, mit der er diesen Wert zu seinem eigenen Nutzen forschend untersucht, nach ihm sucht und ihn herausarbeitet. In der Ausübung dieser dhutanga gibt es auch drei Stufen -die niedrigste, die gemäßigte und die hervorragendste. Auf der niedrigsten Stufe werden alle Nahrungsmittel, wenngleich sie in die eine Schale gegeben werden, für sich und so in der Schale angeordnet, dass die verschiedenen Arten der Speisen voneinander getrennt sind. Beispielsweise befinden sich pikante Speisen und Reis auf der einen Seite der Schale und Süßspeisen auf der andern. Oder, sie sind möglicherweise durch ein geeignetes Nahrungsmittel,wie zum Beispiel eine Banane, die die Vermischung der Speisen verhindert, voneinander getrennt, Für die gemäßigte Stufe gilt, dass ebenfalls alle Speisen in die Schale gegeben aber nur so weit voneinander getrennt werden, dass sie, in sich als Einheit intakt, nicht miteinander vermischt werden. Auf der hervorragendsten Stufe werden alle Speisen, gleichgültig ob süß oder pikant, miteinander vermischt und in keiner Weise voneinander getrennt gehalten.
Bevor er nun in die Schale greift um zu essen, sollte der Bhikkhu darüber nachdenken (paccavekkhana): Patisankha yonisa pindapatam patisemavi... etc.171 Dies ist eine angemessene Art und Weise der Betrachtung all der Speisen, die da zusammen in einer Schale sind. Er sollte dies mit aller Kraft der Weisheit, über die er verfügt, mindestens eine Minute lang tun, denn das Gute, das aus dieser Betrachtung entsteht, wenn sie richtig durchgeführt wird, ist in geheimnisvoller Weise in den vermischten Speisen verborgen.
Eines Tages wird man unerwartet aber sehr entschieden die Gelüste (tanha) sehen, die sich hinter dem Hunger der dhatu khandha (dem Körper), welcher normalerweise nicht als tanha172 angesehen wird, verbergen. Aber der Hunger von tanha, der sich hinter dem Hunger der dhatu khandha verbirgt, ist in der Tat sehr geheimnisvoll, äußerst schwer zu erkennen und sehr schwer in den Griff zu bekommen, weil tanha ständig seine Spuren verwischt und den Hunger der dhatu khandha, der zu jener Zeit äußerst groß ist, durchdringt und infiltriert. Dies verschleiert die Tatsache, dass auch der normale Hunger der dhatu khandha von der unsichtbaren Natur der kilesas durchdrungen ist. Man lernt diese Art von kilesas dann mit Hilfe der Untersuchung vor und während der Mahlzeit sehr gut kennen und wird die Heilkraft von patisankha yoniso… als wirksamste Waffe zur Zerstörung dieser Art unsichtbarer kilesas schätzen lernen. Man wird diesen Dhammavers dann weder in seinen inneren noch in seinen äußeren Angelegenheiten vergessen und schließlich zu jemandem werden, der es in allen Körperhaltungen in seinem Herzen besitzt.
Die Methode der Analyse der verschiedenen Arten von Nahrung und die Untersuchungsmethoden wird aus der Befürchtung, dass dies zu weit führen würde, nicht im Einzelnen erklärt.
171Dieses sind die ersten Worte einer Reflektion, die den Mönchen gegeben wurde und die sie täglich rezitieren. Sie lautet in etwa: Mit Weisheit betrachte ich dieses Almosenessen (pindapata). Es dient nicht dem Genuss, dem Vergnügen, der Verschönerung, der Kräftigung dieses Körpers. Es dient nur zur Erhaltung dieses Körpers, ihn gesund am Leben zu erhalten um meinen heiligen Lebenswandel zu unterstützen. So denkend, möge ich den Hunger beseitigen ohne mich zu überessen, so dass ich ohne Tadel und leicht leben kann. 172 Begierde
Die Dhutanga-Regel, nur pamsukula173 Stoffe zu verwenden
Die Einhaltung der Regel, nur pamsukula Stoffe zu verwenden, ist die Methode zur Vernichtung der kilesas, welche die weltlichen Ambitionen und den Wunsch nach Schönheit und Attraktivität betreffen. Diese kilesas werden von den weisesten Männern als widerlich und überheblich angesehen, wogegen alle durchschnittlichen Narren der Welt sie mit Stolz und Befriedigung betrachten und sich in ihnen vergessen. Aber der Dhutanga Bhikkhu, der nach innerer Schönheit strebt, was ein reines und klares Herz bedeutet, muss diesen kilesas widerstehen, die danach trachten, dass Schönheit und Attraktivität ihnen das Gefühl vermitteln, fliegen und auf Wolken gehen zu können. So muss er sich also aufmachen und nach Pamsukula-Stoffen suchen, die im Leichenhaus oder auf dem Müll abgelegt worden sind, sie nehmen, waschen und Stück für Stück zusammennähen, um ein sabong, civara oder sanghatti 174 zu fertigen, und sie lediglich als Körperbedeckung nutzen, damit er „Samana-Dhamma“175 entwickeln kann. Dann mag er den „Samana“-Traditionen ohne jegliche Besorgnisse oder Ängste folgen. Seine Gedanken sind frei von emotionaler Bindung, die unruhig mit irgendjemandem oder irgendetwas verknüpft ist, außer der Form des Dhamma, an der er gerade arbeitet und in die er vertieft ist.
In früheren Zeiten waren die Pamsukula-Stoffe wirklich wertlos, wie beispielsweise Leichentücher und Kleidungsstücke, die am Straßenrand weggeworfen wurden. Es war nicht eine Stoffabmessung mit der Bezeichnung Pamsukula-Stoff, den die gläubigen Laien spenden, wie dies heute in unserem Lande geschieht. Jene, die in der Lage sind, auszuziehen und den echten Pamsukuka-Stoff zu finden, müssen Bhikkhus sein, die sich entschieden haben, dem allgemein akzeptierten Lauf der Welt zu entsagen, ihre Herzen darauf ausgerichtet haben, Tugend als ihren Reichtum zu erwerben, und auch ihr Lebensziel und ihren Lebenszweck auf Dhamma ausgerichtet haben. Dies bedeutet letztlich, dass sie sich und ihr Leben vollständig dem Erhabenen, dem Dhamma und dem Sangha gewidmet und sich in völliger Hingabe und Entschlossenheit zu deren Diener gemacht haben.
Indem sie alles wegwerfen, was die meisten Menschen als wertvoll betrachten, und der allgemeinen Zustimmung der Gesellschaft entsagen, und stattdessen, wie die meisten Menschen denken, wertlose Menschen und gesellschaftliche Außenseiter werden, gewinnen ihre Herzen in wundervoller und fast unglaublicher Weise an Wert. So wie es bei dem Erhabenen Buddha der Fall war, denn er wurde, als er sein Zuhause verließ, allem Reichtum des Königshauses entsagte und als Asket ordinierte, in den Augen der damaligen Gesellschaft wertlos. Das Ergebnis aber, das daraus entstand, war weit, weit jenseits dessen, was man sich hätte vorstellen können, denn er wurde der höchste Lehrer der drei Welten bis zum heutigen Tag. Die Beachtung dieser dhutanga-Regel ist eine Methode, Bhikkhus ständig daran zu erinnern und sie zu belehren, sich wie weggeworfene Kleidungsstücke zu verhalten. Sie erfüllt den gleichen Zweck wie die vorgenannten dhutangas, nämlich: Sie dient auch dazu, den Wert des citta zu steigern.
Die Dhutanga-Regel, im Wald zu leben
Die Beachtung der Regel, im Wald zu leben, ist eine Tradition jener Dhutanga-Kammatthana-Bhikkhus, die die Praxis nach der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann befolgen, der diese als die wichtigste aller Dhutanga-Regeln betrachtet hat.
Die Dhutanga-Regeln, die sie oft und regelmäßig einhielten, waren: 1) leben im Wald, 2) leben im Schatten eines Baums (rukkhamula), 3) regelmäßig auf pindapata gehen, 4) nur einmal am Tage essen, 5) aus der Almosenschale essen, 6) Pamsukula-Roben tragen (wobei sie jedoch Roben, die Laien in gutem Glauben
173 Stoffe (Lumpen), die vom Eigentümer als wertlos betrachtet und weggeworfen worden sind 174 Dies sind die drei Kleidungsstücke des Bhikkhus. Der Rock (Sabong), die Hauptrobe (Civara) und die äußere Robe (Sanghati), die aus einen doppellagigen Stoff besteht 175 Das Dhamma der Eremiten. Die Samana Tradition ist die Lebensweise der Eremiten im Wald. Der Erhabene Buddha wird oft als Samana Gotama bezeichnet.
spendeten, nicht ablehnten. Jedoch der Ehrwürdige Lehrmeister Mann trug bis zu seinem Tod niemals Roben, die ihm gegeben wurden. Es gab aber nur wenige seiner Anhänger, die diese Regel nach ihm befolgten), 7) leben auf einem Friedhof oder in einem Leichenhaus, 8) Beibehaltung der Sitzposition (nesajja)176 9) keine Speisen annehmen, die einem angeboten werden, nachdem man von der pindapata zurückgekehrt ist. 177
Die Bhikkhus, die der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann folgen, mögen alle diese Regeln sehr. Was die übrigen dhutangas betrifft, so werden sie von ihnen auch gelegentlich geübt. Wir werden sie aber hier nicht näher erörtern, da sie bereits ausführlich in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann“ behandelt wurden. Leser, die mehr über diese Regeln erfahren wollen, sollten im Abschnitt über die dreizehn dhutangas in „Dhamma Vibhaga Pariccheda“ 178 nachsehen. Hier jedoch werden weitere Erläuterungen der dhutangas lediglich im Zusammenhang mit den Praktiken des jeweiligen Dhutanga-Bhikkhus gegeben, die demnächst beschrieben werden. Die oben aufgeführten dhutangas wurden von denen gern und ständig praktiziert, die der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann folgten. Auch die vierzehn khandha vatta 179 werden hier nicht erläutert, da sie leicht in vielen Büchern nachgelesen werden können, wie beispielsweise im zweiten Band der Vinaya-Mukha180 . Wenn der Leser mehr über sie wissen möchte, so sollte er auf die vorhandene Literatur zurückgreifen.
Die Kammatthana Bhikkhus praktizieren immer nach der allgemeinen Art der dreizehn dhutangas und nach den vierzehn khandha vatta. Wenn sie auch von diesen in einigen Details abweichen, so halten sie sich dennoch an die Grundprinzipien der zuvor beschriebenen Regeln, ohne von ihnen abzuweichen und andere Praktiken zu befolgen. Aber die Dinge, die sie praktizieren, und die Erfahrungen, die sie machen, unterscheiden sich tatsächlich in gewisser Weise von Fall zu Fall je nach ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten.
Allgemein machen Bhikkhus, die es gewohnheitsmäßig vorziehen, tief in den Wäldern oder auf Bergen zu leben, eher außergewöhnliche Erfahrungen als solche, die in leichter zugänglichen Wäldern leben. Auch der Ehrwürdige Lehrmeister Mann, der Gründer dieser besonderen Ausrichtung der Dhutanga-Kammatthana-Bhikkhus, neigte immer dazu, in Wäldern, Höhlen und auf Bergen zu leben, und er belehrte die Bhikkhus gerne dahingehend, um sie mehr für das Leben in den Wäldern und Bergen als an den für Menschen üblichen Orten zu interessieren. So hatten jene Bhikkhus, die gerne in diesen einsamen Wäldern lebten, oftmals viele ungewöhnliche Erlebnisse und machten außergewöhnliche Erfahrungen, die zu Geistern, devata, Indra, Brahma, nagas, Tigern und anderen Tieren in Beziehung standen. Gelegentlich wurden sie auch von den Savaka Arahants besucht, die kamen, um sie zu belehren.