Jeder Bhikkhu fastet so lange, wie es für ihn angemessen ist, einige fasten vier bis fünf oder sieben bis acht Tage. Einige fasten länger, bis zu zwölf oder vierzehn Tage oder mehr, bis zum Ende der Regenzeit. Dies gilt für die thailändischen und die ausländischen Bhikkhus, die in gleicher Weise und viele Tage lang fasten.
In diesem Kloster findet während des vassa alle sieben Tage ein Dhamma-Treffen statt, um die Anstrengungen zur Entwicklung des Geistes zu fördern und zu unterstützen, damit er entsprechend den
147 Praxis der Tugend
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
gegebenen günstigen Bedingungen Fortschritte macht. Nach dem Ende der Regenzeit fallen sehr mühsame Arbeiten und Aufgaben für die Laien an, die kommen, um Dhamma zu hören, sila zu vollbringen, dana149 zu machen und andere kusala150 auszuüben. Dies ist Sitte bei den thailändischen Buddhisten und sie sind es seit Generationen gewohnt, denn es wurde schon von Anbeginn als im Zentrum des Buddhismus stehend betrachtet. Es ist daher äußerst lobenswert, denn solche Taten sind nicht nur gute Handlungen, die zu guten Ergebnissen für die führen, die sie vollbringen, sondern sie geben auch ein gutes Beispiel für die jungen Menschen der folgenden Generation.
Die Methoden der Selbstübung der Dhutanga Kammatthana Bhikkhus, die der Lehre des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann folgen, sind vielfältig und unterschiedlich, weil sie sich in jedem einzelnen Fall voneinander unterscheiden. Daher muss man sie, wenn man über sie schreibt, entsprechend ihren Unterschieden in verschiedene Kategorien unterteilen. Dies geschieht, damit du, der Leser, der du dies mit praktischem Interesse liest, jede beliebige Methode der Acariyas, die du für dich und für deine Lebenssituation als geeignet erachtest, aufgreifen und daraus Nutzen ziehen kannst.
Einige der Bhikkhus, die mit großem Interesse kammatthana übten, haben jahrelang nicht die Erfahrung gemacht, dass sich das citta in einen Zustand der Ruhe und Einspitzigkeit versenkte. Sobald sie aber durch Acariyas und ihre Freunde und Zeitgenossen im Dhamma von einigen effektiven Methoden der Übung und Disziplinierung verschiedener Art erfahren, diese aufgegriffen und selektiv ihren Neigungen entsprechend ausprobiert hatten, wurde ihr citta ruhig und friedlich. Dann waren sie in der Lage, feste und starke Wurzeln im citta zu entwickeln, und zwar in der gleichen Weise wie jene, denen es gelang, das citta in einen Zustand der Konzentration abzusenken, wenn in ihnen durch das Gebrüll der Tiger in der Nähe ihres Aufenthaltsortes Angst aufstieg, was sonst nicht möglich gewesen wäre.
Daher sind der Charakter einer Person und die Disziplinierungsmethoden des Dhamma, die für die Übungen verwendet werden, in jedem einzelnen Fall wesentlich für den Praktizierenden. So ist es beispielsweise für jene, deren citta stark, aktiv und wagemutig ist und sich nicht leicht einem Acariya oder jemand anderem unterwirft, wichtig, ihr eigener Lehrer zu sein und sich selbst zu üben und zu disziplinieren, wobei sie ihre eigenen besonders harten und strengen Methoden anwenden.
Einige Bhikkhus mit einem solchen Charakter leben gerne an Orten, wo sie großen Anforderungen ausgesetzt sind und Entbehrungen ertragen müssen, wo es an den vier Bedarfsgegenständen Dingen
148 Almosenrunde 149 Spenden 150 Wohltätigkeiten
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
mangelt. Manchmal müssen sie ohne auskommen, manchmal haben sie genügend davon, aber in der Regel mangelt es an Annehmlichkeiten. Zudem leben sie dann an Furcht erregenden Orten, um sich zu zwingen und voranzutreiben. Da Menschen aller Schichten und jeden Alters seit ihrer Geburt bestimmte Neigungen haben, reagieren sie günstig auf Druck. Denn es gibt keine Methode des geringsten Widerstandes und der Entspannung, mit der wir uns entwickeln und Erfolg haben können. Wir und andere sind gefordert, um uns zu dabei zu helfen, uns zur Tugend und zu unserem eigenen Nutzen voranzutreiben. Das können wir daran erkennen, wie unsere Eltern von Zeit zu Zeit ärgerlich wurden und uns schalten und hart behandelten, in der gleichen Weise wie die Acariyas uns gegenüber handeln und wie sie uns normalerweise in engem Zusammenhang mit dem Dhamma, das sie uns lehren und in dem sie uns trainieren, rügen und ermahnen, uns, die wir ständig unter ihrer Obhut und Führung leben. Immer nur angenehme und sanfte Worte bei Unterweisungen zu nutzen, ist sehr wahrscheinlich nicht in allen Situationen und bei allen Gelegenheiten angebracht, denn einige „schwierige Fälle“ reagieren recht gut auf „Zuckerbrot und Peitsche“. Die Belehrung muss daher aus einem guten Mix aus strengen und sanften Methoden bestehen.
Wenn ich von Rüge und Ermahnung spreche, denke ich mit Dankbarkeit an die hervorragenden Qualitäten des Ehrwürdigen Lehrmeister Mann, an die Art und Weise, wie er mich und die anderen Bhikkhus gelegentlich schalt, wenn wir uns einen Fehltritt geleistet hatten. Hierbei waren seine Haltung und seine Ausdrucksweise sehr Furcht erregend, wenn er seine Anhänger, die sich töricht verhalten hatten, tadelte und „auf Vordermann brachte“, um sie so durch Tadel und Ermahnung zu aufrechten Menschen zu machen. Betrachtete man die gerade Getadelten und Ermahnten, so taten sie einem sehr Leid, denn sie fürchteten sich so sehr, dass sie zitterten -wie Jungvögel im Regen. Aber das Ergebnis war, dass sie den Tadel und die Ermahnungen lange Zeit mit sich trugen. Solche Ergebnisse erzielt man, wenn andere einem helfen, mit den Übungen voranzukommen.
Was die Ergebnisse angeht, die aus der eigenen Praxis heraus entstehen, so wissen jene Ehrwürdigen, die sich mit bis an ihre Grenzen gehender Kraft und Fähigkeit geübt haben, selbst recht genau, welcher Art die Ergebnisse sind, wie zum Beispiel jene, die durch die Gehmeditation (cankama), nachdem sie sich vor dem Gebrüll der Tiger gefürchtet hatten, einen völlig ruhigen Geist entwickelten und wie sich dann das citta wandelte, mutig und furchtlos wurde, während sie immer noch ihre Gehmeditation so ausführten, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. Deshalb ist die Praxis, sowohl in weltlicher Hinsicht als auch mit Sicht auf Dhamma, eine sehr wichtige Methode. Sie zu übersehen, kann sich nicht leisten, wer in seiner eigenen Entwicklung vorankommen will.
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