empfindet, dass er es nicht länger aushalten kann, und man muss diesem bis zu einem gewissen Grad nachgeben, weil er sonst nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert und die Körper-Geist-Verbindung zerfällt, bevor die kilesas beseitigt und vernichtet worden sind. Daher muss man Abhilfe schaffen, denn folgte man den Wünschen des Geistes, so würde der Körper aller Wahrscheinlichkeit nach nicht überleben. Gäbe man jedoch ganz und gar nach und ließe dem Körper einfach nur haben, was er will, so würde der Geist aller Wahrscheinlichkeit nach Dhamma nicht in der Weise „trinken“, wie er sollte und wie man beabsichtigt, dass er es tut.
143Mit „Eigentümer“ wird auf den Teil von einem selbst Bezug genommen, der die Verantwortung übernimmt. Dieser Begriff wird von den kammathana Praktizierenden gebraucht
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Fasten führt in Bezug sowohl auf samadhi als auch auf panna zu recht offensichtlichen Ergebnissen, die einen dazu veranlassen, über den Erhabenen Buddha nachzudenken, als er seine strengsten asketischen Übungen durchführte in der Absicht, Erleuchtung144 zu erlangen keine Nahrung zu sich nahm, einfach nur durch Fasten, ohne jedes Streben seitens des Geistes. Als er dies tat, führte es zu keinen Ergebnissen, als er aber den süßen Milchreis aß, den die Dame Sujata brachte und ihm gab, wenngleich er an jenem Abend bereits etwas Nahrung zu sich genommen hatte, war jeder Teil seines Körpers immer noch leuchtend, klar und sehr leicht. Dann, in eben jener Nacht, sobald er die Achtsamkeit auf den Atem (anapanasati) erlangt hatte, eine Herzensarbeit, war der Erhabene in der Lage, Erleuchtung zu erlangen. (der letzte Satz ist unstimmig, muss im Thai nachgesehen werden: Than Martin)
Es ist wahrscheinlich, dass die Wirkung des von ihm durchgeführten Fastens auf den Körper des Erhabenen das citta insofern unterstützte, als der Körper in jenem Augenblick für den Geist nicht zu sehr zu einer Belastung wurde. Wenngleich der Erhabene Fasten missbilligte, indem er sagte, dass er nicht dadurch Erleuchtung erlangt hätte, so ist es wahrscheinlich, dass er darin Fasten zum Zwecke der Unterstützung der geistigen Entwicklungsarbeit nicht einschloss. Es ist zu vermuten, dass er lediglich Fasten als einzigen Weg zur Erlangung der Erleuchtung -was der falsche Weg wäre -meinte, denn Erlangung der Erleuchtung, oder Erreichen des Dhamma, bezieht sich auf den Geist als wesentlichen Teil und in keiner Weise auf den Körper. Dies beruht auf der Tatsache, dass die kilesas allein im Geist vorhanden sind und nicht im Körper.
Da jedoch der Körper gewissermaßen ein förderliches Umfeld für die kilesas ist, kann er diese zahlenmäßig größer werden lassen und stärken. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Körper vor Kraft strotzt und dies auch zeigt, was dem gut geübten Geist sofort deutlich wird, der erkennt, dass „die khandhas außer Rand und Band geraten“. Die kilesas, die den Geist beeinflussen, werden höchstwahrscheinlich mit einbezogen und brausen ebenfalls auf. Dann ist man auf die eine oder andere Weise nicht in der Lage, ihrer Herr zu werden und sie werden einen nach unten ziehen, bis man vollständig im Sumpf versinkt. Wenn man dann zur Besinnung kommt, erkennt man -falls man hinsieht -was geschehen ist. Sieht man jedoch nicht hin, so hat man keine Möglichkeit, zu erkennen, was geschehen ist. Daher gibt man nach und gestattet den kilesas und den dhatu-khandhas, einen zu verleiten, zu was immer ihnen beliebt. Auf diese Weise vereinen sich Körper und kilesas. Ist das citta jedoch rein, dann stellen die Körperempfindungen und Sinneselemente keine Gefahr für das citta, dar. (Absatz nicht klar, Than Martin)
Für einige Menschen ist Fasten also sehr hilfreich bei der Übung des citta bhavana. Daher verbot der Erhabene das Fasten nicht ganz und gar, wenn es im Zusammenwirken mit bhavana genutzt wird. Dies ist
144 wörtlich: „Klares Erkennen von Dhamma “-Standard Formulierung in Thai für Erleuchtung
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
einigen Regeln des Vinaya145 zum Fasten zu entnehmen, worin es heißt: „Ein Bhikkhu, der fastet, um sich gegenüber der Welt zur Schau zu stellen, begeht jedes Mal, wenn er fastet, ein Vergehen und auch dann, wenn er in einer Weise handelt, dass er sein Fasten zur Schau trägt. Fastet er aber, um den Bestrebungen des Geistes zu folgen, so mag er dies tun. Dies erlaubt der Tathagata.“ . Dies ist möglicherweise so, weil der Erhabene den Wert des Fastens als Hilfe für die Bestrebungen des Geistes für solche Menschen erkannte, die besonders dieser Art der Übung zuneigen. Daher gestattete es der Erhabene, diese Methode zu nutzen, und verbot sie nicht vollständig.
Für Menschen, deren Naturell für die Methode des Fastens nicht geeignet ist, hätte es wahrscheinlich keinen Wert, wenn sie es anwenden würden. Das ist ähnlich wie bei der Anwendung jener Übungsformen der kammatthana, die nicht den persönlichen Eigenschaften eines Menschen entsprechen und der Ausspruch „Des Einen Gift, des anderen Medizin“ ist hier angebracht.
Aus meinen Beobachtungen weiß ich, dass es anscheinend selbst heutzutage viele Menschen gibt, deren persönliche Eigenschaften für das Fasten geeignet sind. Deshalb bin ich hier darauf eingegangen, damit der Leser darüber nachdenken kann. Insbesondere im Wat Pa Baan Taad, meinem eigenen Kloster, gibt es viele Bhikkhus, die oft fasten möchten. In der Tat, es scheint fast so, als würde das ganze Kloster schichtweise fasten. Dies geschieht immerfort, seit das Kloster gegründet wurde, während der Trockenzeit, der Regenzeit und sowohl während der Vassa-Periode146 als auch außerhalb dieser. Gegenwärtig gibt es immer noch Mönche, die im Kloster in der gleichen Weise fasten, einschließlich der englischen und der anderen in westlichen Ländern geborenen Mönche, die dem Fasten zugetan sind, denn sie sagen, dass ihr bhavana viel bessere Fortschritte macht, wenn sie fasten, als wenn sie nicht fasten. Daher fasten sie häufig. Sie tun dies auch aus freien Stücken, da weder Zwang noch Pflicht zum Fasten besteht.
Die westlichen Bhikkhus können genauso gut fasten wie die thailändischen Bhikkhus und sie können es jeweils eine lange Zeit tun. Danach essen sie ein oder zwei Tage, bis sie wieder fasten. Einige fasten bis zu vierzehn oder fünfzehn Tagen und stehen es gut durch, wogegen andere neun oder zehn Tage lang fasten. Sie sind durchaus imstande, in der gleichen Weise zu fasten wie unsere thailändischen Bhikkhus. Werden sie gefragt, so sagen sie, dass das citta während des Fastens weit weniger dazu neigt, unruhig und unkontrollierbar zu sein. Es lässt sich dann leichter führen und ist sowohl ruhiger als auch friedlicher und
145 der erste Abschnitt der alten buddhistischen Texte (Ti-pitaka), in dem die Reden und Zitate des Erhabenen Buddha aufgezeichnet sind. Der Vinaya stellt alle Einzelheiten der Regeln für Tugend und des Verhalten für die Mönche und die Ereignisse, die zu diesen führten, dar.146 Regenzeit, während der sich die Mönche an einem Ort aufhalten
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann auch fester, wird nicht leicht abgelenkt oder gestört. Darum möchten sie oft fasten, damit sich das citta so schnell wie möglich fortentwickelt.
Wir empfinden mit ihnen und sind froh, dass sie es auf sich genommen haben, so weit her über das Meer zu kommen, um sich zum Mönch der buddhistischen Lehre (Sasana) ordinieren zu lassen. Sie praktizieren die moralischen Gebote des sila bhavana147 und nehmen Entbehrungen und Unzulänglichkeiten auf sich. Sie müssen ihnen ungewohnte Nahrung zu sich nehmen und sind viele Jahre lang weit weg von zu Hause, von ihren Familien und Freunden und sie beschweren sich in keiner Weise, dass sie Heimweh hätten oder sich nach ihrem Heimatland, ihren Freunden und Verwandten sehnten, mit denen sie so eng zusammengelebt hatten. Diese westlichen Bhikkhus ließen sich zum Mönch ordinieren mit der ernsten Absicht, Dhamma zu suchen und sich weiterzuentwickeln, was im Einklang mit der Tatsache steht, dass sie in eine Rasse hineingeboren wurden, die wirklich gescheit ist. Sie zeigen niemals irgendwelche Anzeichen des Hochmuts oder der Einbildung. In der Tat zeigen sie stets Demut und Bescheidenheit, die Respekt und Achtung verdienen. Im Umgang mit anderen Bhikkhus und Samaneras im Kloster verhalten sie sich gut und handeln angemessen.
Nahezu alle westlichen Bhikkhus in diesem Kloster fasten gerne, ohne dass sie dazu gezwungen würden. Sie sehen lediglich andere Bhikkhus fasten und erkundigen sich. Wenn sie die Gründe verstanden haben, probieren sie es selber aus. Danach sieht man sie regelmäßig fasten. Wenn man sie fragt, so sagen sie, dass dann ihr bhavana besser als sonst verläuft. Daher fasten sie dann regelmäßig.
Insbesondere während des vassa, einer Zeit im Jahr, in der keine anderen Tätigkeiten ausgeübt werden und in der Bhikkhus in diesem Kloster ihre Anstrengungen beim Üben steigern, gehen an einigen Tagen nur sehr wenige Mönche gemeinsam auf pindapata148 und essen zusammen, denn wer fastet, braucht nicht auf Almosenrunde zu gehen.