sodass sie das citta nicht belästigt. Dies erleichtert die Übung des bhavana140 und beschleunigt das Erreichen des Ruhezustandes besser als sonst üblich, wenn man die Nahrungsaufnahme nicht verringert. (Dies trifft nur für solche Menschen zu, deren Veranlagung dieser Übungspraxis entspricht).
Führt man die Meditationsübung durch, wenn man die Nahrungsaufnahme verringert, so durchläuft der Geist normalerweise nicht die Höhen und Tiefen, um zur Ruhe zu kommen. Sie unterscheidet sich in den Anfängen der Übungen von der üblichen Vorgehensweise, wenn man die Nahrungsaufnahme nicht verringert und wenn sich das citta in einem Entwicklungszustand befindet, in dem es noch Übung benötigt. Ißt man weniger, ist cankama einfach, in samadhi fühlt man sich zufrieden und sowohl nachts als auch während des Tages führt bhavana allgemein zu ähnlichen Ergebnissen. Normalerweise jedoch ist bei
139 Geistestraining 140 Praxis
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Durchführung der Geh-oder Sitzmeditation nachts die körperliche Verfassung feiner und in der Tendenz geht die Meditation dann besser vonstatten als während des Tages. Aber für Menschen, die weniger essen mögen, führt die Meditation sowohl tags als auch nachts zu ähnlichen Ergebnissen.
Fastet man viele Tage, so entstehen oft Hunger-und Schwächegefühle, aber das citta ist dann in der Tendenz weit leichter, als wenn man lediglich die Nahrungsaufnahme verringert, und sowohl bezüglich samadhi als auch panna erlangt man größere Fertigkeit und Fähigkeit.
Wenn Bhikkhus fasten, beginnen sie allgemein mit einer kurzen Fastenzeit, die sie üblicherweise zeitlich ausdehnen, bis sie dann über lange Zeiträume fasten. Mit anderen Worten, anfänglich fasten sie zwischen zwei und fünf Tagen, um es auszuprobieren. Sobald sie aber erkennen, dass dies zu guten Ergebnissen während ihres bhavana führt, steigern sie die Fastenzeit stetig auf jeweils acht oder neun Tage, je nach den Umständen.
Während ihrer Fastenzeit führen sie ihr bhavana weiter durch und achten auf ihr citta und ihren Körper. Erkennen sie, dass sie sich insgesamt in einem guten Zustand befinden, so wechseln sie zwischen Perioden des Fastens und einer normalen Lebensweise ab. Da sie die Dauer ihrer Fastenzeit stetig ausdehnen, können sie diese jeweils viele Tage lang einhalten. Einige von ihnen bringen es auf vierzehn bis fünfzehn oder sechzehn bis siebzehn Tage und einige fasten, wenn die Umstände günstig sind, einen ganzen Monat lang. Wenn sie so lange Zeit fasten und sich der Körper sehr schwach fühlt, trinken sie vielleicht an manchen Tagen etwas Milch.
Wer erkennt, dass Fasten seiner Neigung entspricht, kann während des Fastens großen und vielfältigen Gewinn erlangen, und zwar: Nach den ersten zwei Nächten des Fastens wird man nicht mehr müde oder schläfrig und nach mehreren Nächten verstärkt sich dies, sodass Müdigkeit nicht mehr zu einem Störfaktor wird. Wo immer man sitzt, der Körper bleibt aufrecht wie ein Pfosten, ohne im geringsten zu pendeln oder zu wippen. Sati141 ist gefestigt und entgleitet einem nicht. Es entsteht wenig Geistesabwesenheit und je länger man mit der Übung fortfährt, desto besser wird die Achtsamkeit, sodass man sich nahezu niemals vergisst. Wenn irgendwelche Gedanken in dem citta entstehen, nimmt sich die Achtsamkeit dieser fast immer sofort an, ohne überhaupt den Entschluss fassen zu müssen, die Achtsamkeit nicht gedankenlos entgleiten zu lassen, denn sie ist ganz natürlich einfach vorhanden. Dies ist möglicherweise so, weil das Fasten, das man durchführt, den Bemühungen um die eigene Entwicklung dient und weil man seine Achtsamkeit vom ersten Tag der Fastenzeit an entwickelt und beständig
141 Achtsamkeit, Gewahrheit
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aufrechterhalten hat. Daher entgleitet die Achtsamkeit weder von Beginn an, noch gerät sie im Verlauf der Fastenzeit in Vergessenheit, einerlei, wie lange man fastet.
Das bhavana geht dann in der Tendenz ruhig und geschickt sowohl bezüglich des samadhi als auch der panna ständig voran. Wenn man den Geist in samadhi hinabsenken möchte, so kann man dies nach Belieben tun. Wenn man mit panna, nachdem das citta aus dem samadhi aufgetaucht ist, Untersuchungen anstellen möchte, dann wird panna stetig schärfer, wenn man sie übt, und sie wird nicht wie üblich, wenn man die Untersuchung durchführt, träge und starr. In allen verschiedenen Körperhaltungen und -stellungen ist die Achtsamkeit gegenwärtig und wird nicht ohne weiteres durch irgendwelche Dinge abgelenkt oder beeinflusst. Untersucht man etwas, das sich zufällig ergibt, so nimmt sich der Geist dessen schnell an und kann es schneller als üblich klar verstehen und erfassen. Der Körper verspürt dann kaum die üblichen Wehwehchen und Schmerzen und fühlt sich ungewöhnlich leicht. Das citta erkennt Gefahren ohne Schwierigkeiten und leistet der Wahrheit keinen störrischen Widerstand, wie dies sonst der Fall war.
Wer sich auf der Ebene des samadhi befindet, ist in allen körperlichen Verfassungen und Stellungen ruhig. Wer sich auf der Ebene von panna befindet, verfügt stets über die Fähigkeit zum Nachsinnen und Nachdenken und analysiert Ursachen und Ergebnisse jener endlosen Dinge, auf die er stößt. Das citta ist dann in die Untersuchung vertieft und betrachtet jedes einzelne dhamma142, während alle Spuren von Müdigkeit und Erschöpfung verschwinden, so als äße man ganz normal.
Wenn Gefühle der Müdigkeit, des Hungers oder der Schwäche entstehen, so nur dann, wenn sich das citta aus samadhi zurückzieht, oder wenn das citta bei der Untersuchungsübung eine Pause macht, oder wiederum, wenn man sich aus dem samadhi herausbegibt, um die Körperstellung oder -haltung zu verändern. Dann spürt man sie wahrscheinlich. Der Grund dafür, dass keine Hunger-oder Schwächegefühle vorhanden sind, wenn sich das citta in samadhi begibt und alle dhammas untersucht, ist, dass das citta vollständig in samadhi und panna vertieft und nicht daran interessiert ist, auf den physischen Zustand des Körpers zu achten. Folglich gibt es in diesem Zustand keine Körpergefühle.
Kommt dann der Tag, an dem man das Fasten abzubrechen beschließt, so entsteht ein Streit zwischen dem citta und den khandhas. Die Körper-und Sinnesempfindungen sagen, dass sie schwach sind und Nahrung und Nahrungshilfen brauchen, um das Leben zu erhalten. Das citta sagt, daß während der Fastenzeit die Meditationsübung leicht von der Hand geht, der Geist ruhig und klar ist und nicht durch alle
142 in der Pluralform -„Geistesobjekte“, entweder Sinnesempfindungen, wie z.B. Erinnerungen an vergangene Geistesempfindungen, oder nicht den Sinnen entstehende Gedanken über die Prinzipien des Dhamma oder logische oder weltliche Prinzipien
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möglichen Dinge gestört wird. Ißt man aber, so verschlechtert sich das bhavana. Denn, sobald man sich satt gegessen hat, denkt man nur daran zu schlafen und nicht an Dhamma und seine feinen Bedeutungen, wie man es während der Fastenzeit tut. Das citta möchte daher nicht essen, weil nach dem Essen das bhavana nicht ordnungsgemäß vonstatten geht, was der Erwartung widerspricht, das bhavana würde effektiver sein, wenn der Körper gestärkt sei. So verläuft der Streit zwischen dem citta und den Körper-und Sinnesempfindungen.
Der Eigentümer143 muss entscheiden, welchen Weg er gehen will. Abwechselnd fasten und gut essen ist die beste Methode. Denn das citta gewinnt, während der Körper lernt, mit Entbehrung fertig zu werden. Man giert nicht ständig danach, mehr und mehr zu essen wie die Tiere, die immer nur fressen und schlafen. Zu viel Fasten kann man nicht ertragen, denn dann beginnt der Körper notgedrungen zu verfallen. Andererseits, wenn man sich mit Nahrung füllt, wird man träge und sucht nach dem Schlafkissen anstatt nach Dhamma und seiner Bedeutung, wie man es tut, wenn man fastet. Folglich hat das Fasten vielerlei Nutzen, wie zuvor beschrieben.
Wenn man fastet, steigert man seine Anstrengungen in allen Stellungen und Haltungen des Körpers bis zum Maximum. Man schläft wenig, nur einen Augenblick lang, was für die Bedürfnisse des Körpers ausreichend ist, um Einnicken und Schläfrigkeit zu unterbinden. Dies wird Menschen, deren Naturell dieser Methode entspricht, in die Lage versetzen, samadhi und panna voranzutreiben und schnell zu erlangen.