von dem sie glauben, dass es bequem und leicht oder einfach sei und sozusagen „aus der Reihe tanzen“ und ein modernes, neuzeitliches Dhamma verfechten, das in ihrem Geist entsteht, dann gibt es keine Hoffnung für sie. Denn Dhamma passt sich nicht dem Altertum oder der Neuzeit an. „Dhamma“ ist einfach nur „Dhamma“ und die „Welt“ ist einfach nur die „Welt“. Das ist schon immer so gewesen. Das ändert sich nicht. Dhamma passt sich nicht an. Die Übung des Dhamma muss daher den Weg gehen, jene Bedingungen zu erwirken, die angemessen und geeignet sind. Dann können die Ergebnisse, die richtigerweise erhofft werden sollten, erzielt werden.
Wenn man aber Dhamma verdreht, um es seinen Wünschen und Vorstellungen anzupassen, ohne Gedanken daran, ob es angemessen ist oder nicht, so ist das ein „aus der Reihe tanzen“ und die Ergebnisse, die man so sehr zu erzielen strebt, geraten aus der Richtung wie eine unterbrochene Reihe, oder sie geraten
122 Untersuchung die der Entwicklung von Weisheit dient
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
in die falsche Richtung und sind nutzlos. Dann ist man betrübt und glaubt,, obwohl man die Übungen durchführte, bis man beinahe daran gestorben wäre, nicht die Ergebnisse zu erzielen, die man hätte erzielen sollen, und meint, es wäre besser, überhaupt keine Übungen durchzuführen. „Besser“ und „keine Übungen durchführen“ werden dann, wegen des falschen Begreifens, zu einem Gift, das einen lange Zeit zerfrisst, und zu einem Fehler mit zwei Facetten. Dies ist nichts anderes als der Weg zur vollständigen Selbstzerstörung, bedingt dadurch, dass man den Weg des geringsten Widerstandes geht und Abkürzungen nimmt, wie es einem beliebt, eben „aus der Reihe tanzt“.
Daher nehmt bitte zur Kenntnis, dass Dhamma seiner Natur nach von den festen unabänderlichen Regeln und Prinzipien von Ursache und Wirkung durchdrungen ist. Wer Dhamma in der Hoffnung übt, Werte, Perfektion und Wohlergehen für sich und die Nachwelt zu erwerben, sollte sich die Methoden und Praktiken gut merken und weder gierig sein noch seltsame und unangemessene Übungsmethoden in die Übungspraxis einführen, die aus der Einbildung herrühren, eine treibende Kraft und ein moderner Mensch auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse zu sein. Das alles führt in die falsche Richtung.
Jene größten Weisen, die Dhamma übten und erfuhren, mussten immer wieder mit scharfer Weisheit auswählen und entscheiden, was angebracht war, bevor sie Dhamma erkannten und anderen im Namen des „svakkhata”123 Dhamma verkündeten, was wahr und umfassend und zu allen Zeiten stets angebracht ist. Das heißt, Dhamma ist, wo und in welchem Zeitalter auch immer, in Wort und Bedeutung vollständig, annehmbar und umfassend, bezüglich sowohl seiner kausalen Aspekte als auch der daraus folgenden Ergebnisse. Es ist tauglich, befolgt und geübt zu werden, ohne Zweifel und Wankelmut. Die Ergebnisse, die durch seine Übung erzielt werden, sind immer ein stetig größer werdendes Glücksgefühl und alles, was man erhofft -von der Stufe des kalyana124 Dhamma bis hinauf zu den Stufen des Ariya125 Dhamma. Oder, wenn wir von den verschiedenen Menschen sprechen, die diese Ergebnisse erzielen, so gehören dazu der kalyanajana126 und der Ariyana127 bis hinauf durch die verschiedenen Stadien zu den Arahants128 . Auf diesem Pfad der Tugend, der aus dem Majjhima129 der Übung entsteht, fehlt es an nichts.
123 Wohl erklärt 124 tugendhaft, moralisch gut 125 Edel, nobel 126 Der tugendhafte Mensch 127 Der edle Mensch 128 Ein Mensch, der das höchste Stadium nämlich Nibbana -das Ausgelöschtsein -erreicht hat
129 Mittelweg, mittlerer Weg
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Jene, die den „Mittleren Weg“ in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Dhamma geübt haben, betonten immer, dass dieser sila130 , samadhi und panna umfasst. Mit anderen Worten, wann immer man sila hat, muss man auf sila achten; wann immer man samadhi hat, muss man darauf achten, die Samadhi-Übungen durchzuführen, um samadhi entstehen zu lassen; und wann immer man panna hat, muss man panna entwickeln, damit sie entsteht. Man darf aber keinen dieser drei Aspekte ausschließlich fördern oder verwerfen und dadurch verfälschen, denn dies käme einem sich selbst Verwerfen und Verfälschen gleich, denn sila, samadhi und panna sind Schätze des Dhamma, die zueinander in Beziehung stehen.
Die sich Übenden müssen gleichermaßen sila, samadhi und panna beachten und, wann immer es angemessen ist, eines dieser dhamma zu entwickeln, so müssen sie es tun. Diese sind nämlich nicht Aspekte, die man verwerfen oder annehmen darf, wie man gerade Lust hat. Das wäre eine Fehlinterpretation von Dhamma, denn diese Faktoren sind nicht verschiedene Haufen von Schätzen, wie Silber, Gold und Diamanten, von denen man nach Belieben einen auswählen und den anderen ablehnen kann. Im Gegenteil, sila, samadhi und panna sind Eigenschaften des Dhamma, die mit der Übung jener verknüpft sind, die diese Dhamma-Eigenschaften benötigen, und müssen daher in der Weise geübt werden, dass sie harmonisch vereint werden, wenn sila, samadhi oder panna benötigt werden. Mit anderen Worten, sila ist die Basis für jemanden, der sila bewahrt, um die ganze Zeit auf sich zu achten, wogegen samadhi und panna entsprechend den Fähigkeiten geübt werden müssen, damit sie an Kraft gewinnen, denn sie sind ein Paar, das sich gegenseitig unterstützt, sodass keines von beiden in irgendeiner Form fehlerhaft sein könnte. Die Übungspraxis bezüglich dieser beiden Dhamma ist folgende: „Wenn samadhi bisher in keiner Form erreicht worden ist, so muss man es durch eine „Einstiegsmeditation“ zu erreichen suchen -wobei eines der üblichen Meditationsobjekte (wie beispielsweise der Atem bei anapanasati) Ziel der Aufmerksamkeit ist und ständig beobachtet wird -oder eine beliebige andere Methode, die dem eigenen Temperament entspricht und geeignet ist, samadhi zum Entstehen zu bringen. Hat man jedoch bereits eine gewisse Fertigkeit bezüglich samadhi erreicht, so muss man auch vipassana panna131 entwickeln, wenn man die Möglichkeit dazu hat, nachdem das citta aus dem samadhi ausgetreten ist und die dafür erforderliche Kraft hat.
Bei der Erforschung mittels panna muß man die Elemente (dhatu) und die khandhas, wie beispielsweise rupa khandha132 analysieren, indem man ihn zerlegt und seine Eigenschaften untersucht, vorwärts und rückwärts, von außen nach innen und von innen nach außen und immer wieder, in der Weise, dass man alle seine Abscheulichkeiten erkennt, oder indem man ihn als „Ti-lakkhana“133 (anicca, dukkha,
130 Die fünf Tugendregeln 131 Untersuchende Weisheit, Weisheit durch Einsicht 132 Die Anhaftungsgruppe des Körpers 133 Die drei, allen Phänomenen des Universums zugrundeliegenden Eigenschaften
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann anatta) -erkennt, bis man darin gefestigt und meisterhaft ist. Danach lässt man das citta in samadhi auf die gewohnte Weise ruhen. Auf diese Weise können samadhi und panna in Ausgewogenheit geübt werden, ohne dieses oder jenes Dhamma zu wenig oder zu viel zu üben, weil sowohl samadhi als auch panna dhammas sind, die dem citta helfen, sich ohne Schwächen oder Nachlassen stetig zu entwickeln. Daher sollte der Übende beide in ausgewogener Weise betrachten, vom Anfang bis zum Ende seiner Übungen und Praktiken, um magga, phala und Nibbana zu verwirklichen.
Weder sila noch samadhi noch panna sind überholt oder der Zeit voraus, sondern sie sind unübertroffene dhammas gegen jede Art von kilesas in den Herzen der Lebewesen. Daher müssen die sich Übenden ordentlich mit diesen dhammas umgehen, die sie dazu anleiten, alle ihre verschiedenen kilesas auszumerzen, sodass sie Stück für Stück aus ihrem Geiste entfernt werden. Sila , samadhi und panna sind die durchdringendsten und wirksamsten dhammas in der Lehre des Erhabenen Buddhas und dienen als Werkzeuge zur Behebung aller Arten von kilesas, um sie vollständig auszumerzen. Keine einzige kilesa kann stärker sein als diese dhammas. Sie sind miteinander verknüpft und man kann keines von ihnen herauslösen, um mit ihm alleine alle kilesas auszumerzen. Sie müssen alle drei zusammen angewendet werden.