Unterläuft einem von ihnen ein Fehler, so muss ihm dies gesagt werden, er muss dafür getadelt, belehrt und recht ausgeschimpft werden, ganz unparteiisch, denn beide stehen in einer engen Beziehung zueinander und sehen sich selbst tatsächlich als ein und dasselbe -eine Einheit, die nicht aufgespalten werden kann. Darum ist das Sorgen für eine solche Gruppe einfach, da sich beide Seiten auf Dhamma gründen.
Begeht jedoch jemand absichtlich einen Fehler, so wird dies von den sich Übenden als schwerwiegend erachtet. Selbst wenn das Fehlverhalten von geringfügiger Art sein mag, so führt es dazu, dass der Acariya und seine anderen Anhänger ihr Vertrauen zu dieser Person verlieren. Erst wenn diese dann aus ihrer Mitte verwiesen und fortgeschickt wurde, können sie ihre Ruhe und ihr Glück wieder finden. Dass Bhikkhus eine solche Abneigung gegenüber Menschen zeigen, die sich absichtlich falsch verhalten, ist in Übereinstimmung mit Dhamma, denn es ist die Eigenart von solchen Menschen, die geringfügige Fehler absichtlich begehen, dass dies nur das Vorspiel für wesentliche Fehltritte in der Zukunft ist. Wenn sie also
114 Der Ältere
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann „den brennenden Baum fällen, solange das Feuer klein ist,“ dann tun sie samici kamma115 . Dem sollten wir zustimmen.
Wie in der „Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann“ beschrieben, hatten sie gewöhnlich während der Vassa-Periode wöchentlich eine Lehrrede und Belehrung. An anderen Tagen jedoch konnten jene, die irgendwelche Zweifel hatten, zum Ehrwürdigen Lehrmeister Mann gehen und ihn befragen, wenn sich eine geeignete Gelegenheit ergab und er verfügbar war.
Wenngleich sie eine feste Unterkunft (vihara) im Kloster hatten, suchten einige Bhikkhus dennoch nach geeigneten Stellen im Wald außerhalb, wo sie cankama oder samadhi bhavana sowohl am Tage als auch in der Nacht nach ihrem Gutdünken durchführen konnten. Nach Ende der Vassa-Periode zogen es viele von ihnen vor, weit entfernt vom Kloster einen Platz zu suchen, der geeignet war für die Arbeit der Selbstentwicklung und wo sie ihre Regenschirmzelte aufhängen konnten. Wenn es jedoch Zeit wurde, die Wege zu fegen und im Kloster aufzuräumen, jeden Nachmittag, und andere verschiedene regelmäßige Arbeiten zu erledigen, einschließlich auf pindapata zu gehen und zu essen, kamen sie üblicherweise zurück zu den anderen, um mit ihnen die Arbeit zu teilen.
Diese Bhikkhus legten keine Zeiten für cankama und samadhi bhavana fest, denn sobald sie frei waren, fingen sie einfach damit an. Sie hatten auch niemals eine festgelegte Routine für die Geh-oder Sitzmeditation und legten auch keine Zeit fest, wie lange sie sich so üben wollten. Einige von ihnen führten die Gehmeditation von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen durch, wogegen sie an anderen Tagen zwischen zwei und sieben Stunden gingen.
Jemand, für den die Sitzmeditation neu ist, kann etwa eine Stunde lang sitzen und dann, wenn er an Fertigkeiten und Fähigkeiten des citta gewinnt, die Dauer allmählich verlängern. Jene jedoch, die sich an die Sitzmeditation gewöhnt haben, können diese lange Zeit durchführen und je besser das citta auf samadhi oder Weisheit fußt, desto länger können sie sitzen. Normalerweise mögen es vielleicht zwischen drei und acht Stunden sein und manchmal die ganze Nacht. Drei bis fünf Stunden Geh-oder Sitzmeditation wird für Geübte als normal angesehen und sie führen dies regelmäßig durch. Es kommen keine Schmerzen, keine Müdigkeit oder Steifheit auf, weil die Geh-und die Sitzmeditation ausschließlich der Entwicklung des citta dienen, denn darin liegt ihr Interesse, und sie ängstigen sich nicht vor allen möglichen Schmerzen des Körpers. Körpergefühle kümmern sie daher nicht, wie sie sich auch nicht um diese kümmern, wenn sie normal sitzen und keine bhavana durchführen.
115 Die Richtige Handlung
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Jene Bhikkhus, die ihr citta auf ein hohes Niveau von samadhi entwickelt haben, können, sobald sie mit der Meditationsübung begonnen haben und ihr citta in einen Zustand von klarer Wachheit hinabgesunken ist, viele Stunden lang ungestört hierin verweilen, bevor sie sich aus diesem wieder herausbegeben. In diesem Zustand kann Gefühl (vedana) nicht stören und solange das citta sich nicht aus ihm herausbegibt, entsteht auch kein Gefühl. Deshalb unterscheiden sich die Geh-und die Sitzmeditation einer Person, die eine Grundlage oder Basis des citta hat, sehr von denen einer Person, die noch keine Grundlage hat. Selbst bei ein und derselben Person besteht ein großer Unterschied zwischen seiner Geh-und seiner Sitzmeditation, wenn sein citta noch keinerlei Grundlage in Dhamma hat und wenn sein citta bereits eine Basis hat. So ist beispielsweise für einen Neuling eine Geh-oder Sitzmeditation von einer Stunde sehr anstrengend. Sobald aber das citta eine Basis in Dhamma hat, stören keinerlei Schmerzgefühle, selbst wenn man mehrere Stunden lang in Meditation gegangen ist oder gesessen hat. Dies zeigt uns ganz deutlich, dass der Geist von wesentlicherer Bedeutung ist als der Körper. Ist darüber hinaus das Wetter angenehm kühl oder regnet es leicht, so fühlt man sich körperlich wohler und der Geist ist leicht und klar. Beginnt man nun mit der Meditationsübung, so verhält sich das citta bezüglich samadhi und Weisheit anders als sonst. Das citta kann schnell in samadhi hinabsinken und dort lange Zeit verharren, bevor es wieder aus diesem Zustand auftaucht. Hat dann das citta diesen Zustand der Achtsamkeit verlassen, gibt es im Körper keinerlei Wehwehchen oder Schmerzen. Darum ist der Geist das Wesentliche des Menschen.
Wenn sich diese Bhikkhus um ihre Selbstentwicklung bemühen, so tun sie dies ernsthaft mit vollem Engagement und konzentrieren sich ganz auf diese Arbeit, ohne sich mit etwas anderem zu befassen. Ihre Bemühungen werden daher kontinuierlich fortgesetzt, wobei sie in beständiger und stetiger Weise Ursachen und Ergebnisse zeitigen. Die Art und Weise, in der sich der Geist entwickelt, wird daher jedes Mal deutlicher für sie. Geht es um samadhi, so erkennen sie deutlich, dass das citta tief in einen sehr subtilen Zustand hinabsinken kann. Geht es um Weisheit (panna), so erkennen sie deutlich, dass jedes Mal, wenn sie sich mit einer jener „Sachen“ -(arammana -panna kammathana116 wie anicca117 , dukkha118, anatta119 -der Körper und die vier nama khandhas120; die paccayakara121) -befassen, die Mittel zur Entwicklung der vicarana122 sind, der Geist allmählich aus dem „kochenden Sumpf“ der verschiedenen kilesas aufsteigt, wie die Sonne, die am Horizont aufgeht, um ihr Licht über die Welt zu ergießen.
116 fundamentale Weisheitsentwicklung 117 Vergänglichkeit 118 Unbefriedigtsein, Unruhe bis hin zum grössten Leiden 119 Nicht-Selbst, nicht zu einem Gehörend, Nicht-Ich 120 die vier Geistigen Gruppen der Anhaftung siehe Glossar 121 Die Kette der Bedingten Entstehung.
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Diese Ergebnisse bringen alle Übenden dazu, sich in ihr Streben derartig zu versenken, dass sie vergessen, ob es Tag oder Nacht ist, welcher Tag, Monat oder welches Jahr es ist, und sie vergessen die Zeit und wie viele Stunden oder Minuten vergangen sind, weil sie einfach nicht daran interessiert sind, darüber nachzudenken. Worauf sie sich allerdings die ganze Zeit konzentrieren, sind ihre achtsamen Bestrebungen um Weisheit, die sie dem Sieg immer dann näher bringen, wenn sie diesen nachgehen, denn sie sehen, wie die Befreiung von dukkha in einem sich öffnenden Geiste immer offensichtlicher wird. Mit anderen Worten, die verschiedenen kilesas, die den Geist zuschütten, werden unaufhörlich durch Achtsamkeit und Weisheit mehr und mehr beseitigt. Ob man sitzt, geht, steht oder liegt, die ganze Zeit wird der Geist geöffnet, ausgenommen wenn man schläft. Sobald man aber aufwacht, beginnt man den Prozess der Öffnung des Geistes, indem man die kilesas aus ihm ausmerzt. Dies ist die Eigenschaft ihrer Arbeit, die für sie wahrlich so wichtig ist wie ihr eigenes Leben.
Alle Acariyas, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart diese Übungspraxis befolgt haben, müssen stark und ausdauernd gewesen sein und müssen viele Leiden und Schwierigkeiten durch die Übungen und asketischen Praktiken in ähnlicher Weise durchgestanden haben, bevor sie Acariyas werden und andere belehren konnten. Darum soll, wer beabsichtigt und hofft, Dhamma in der Weise zu erreichen wie die Acariyas, die es erfahren haben und ihren Zuhörern offenbaren, dies nicht dadurch zu erreichen suchen, dass er „aus der Reihe tanzt“ und nach seinem Gutdünken das übt, was in der Welt als „praktisch“ angesehen wird.

Man muss wissen, dass sich Dhamma und die Welt gewaltig voneinander unterscheiden. Wenn die Übenden nicht dem Weg und der Anleitung folgen, nach denen sie die Acariyas unterweisen, sondern nur das tun,