Tiger gesehen habe, der darauf wartete, sich des Leichnams eines Menschen zu bemächtigen, der gerade gestorben war. Ich habe immer nur Menschen gesehen, die auf verschiedene Weise die Bestattungszeremonien, Einäscherungen und dergleichen und das Einsammeln der Knochen und deren Entsorgung in angemessener Weise durchgeführt haben.“
„Nach solchen grundlegenden Betrachtungen, denke ich, wird die Angst bereit sein zu gehen, mit all ihren Familienmitgliedern, Verwandten und Abkömmlingen, die lange Zeit ihre Wurzeln und ihren sicheren Aufenthaltsort im Herzen hatten. Sie werden ausziehen und sich verflüchtigen, vor Verzweiflung ängstlich zitternd, weil sie keine Möglichkeit haben, gegen einen Krieger mit den modernsten Waffen anzukämpfen. So verschwinden sie also und es bleibt keiner von ihnen zurück. Danach wird es niemals wieder Eindringlinge geben, die Ärger bereiten und Angst entstehen lassen.“
„Verfügt man beim Ergreifen und Entfernen der einzelnen kilesas aus dem Geist nicht über die Methoden der Achtsamkeit und Weisheit als Werkzeuge, die einem helfen sie zu unterdrücken, sondern nur über Wut, die gefährlich droht, um sie einzuschüchtern, so ist dies von keinerlei Nutzen. Man sollte wissen, dass die kilesas sich nicht wie dumme Hunde verhalten, die verwirrt zum Vergnügen des Menschen davonrennen, der ihnen Angst macht, sondern sie haben den raffinierten und scharfen Verstand jener niederen und üblen Natur, der sich auf dem Geist des Menschen niederlässt und ihn nicht loslässt. Je mehr man ihnen droht, ohne über die Werkzeuge der Achtsamkeit und Weisheit zu verfügen, die ihnen wirklich Furcht einjagen, desto mehr bringt man sie zum Lachen und es ist, als hätten sie Spaß daran, sich im Geist
107 Dies ist die erste Zeile eines Verses, der anläßlich von Bestattungen rezitiert wird. Für eine umfassendere Deutung siehe Glossar
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
festzubeißen und ihn aufzuzehren, bis er nicht mehr als der Geist eines Menschen bezeichnet werden kann und gänzlich zum Wesen eines Tieres, eines Gespenstes oder Dämons wird.“
„Ihr dürft nicht glauben, dass die kilesas sich vor Dingen fürchten wie der Kraft der Barbarei oder Wildheit, denn diese kommt lediglich von den kilesas selbst, die sie zur Verfügung stellen und vortäuschen, dass man sie damit einschüchtern könnte. Wenn man die kilesas bedroht, machen sie sich lustig darüber und amüsieren sich köstlich, da sie erkennen, dass man derart dumm ist, nicht zu verstehen, dass solche Drohungen ja sie selbst sind und dass gerade dies ihre Handlungsweise ist.“
„Wenn ihr den kilesas wirklich Angst einjagen und sie vor Euren Augen davonrennen sehen wollt, dann müsst ihr euch daranmachen, euch in jenen Methoden zu üben, die bereits dargelegt wurden. Mit anderen Worten: Wo immer mehr Angst entsteht und wo immer sie am stärksten ist, umso eher solltet ihr dorthin gehen und dort verweilen und umso intensiver solltet ihr die Angst untersuchen und analysieren, ohne aufzugeben und in euren Anstrengungen nachzulassen. Was wäre, wenn ihr sterben solltet? Dann solltet ihr dies hinnehmen und euch Dhamma absolut unterwerfen ohne jedwedes Bedauern und Sehnen. Tut ihr dies, dann wird die Heimat der kilesas mit Sicherheit zerstört und vernichtet, sodass sie alle ungeordnet, verwirrt und in Panik fliehen, was schlimmer ist, als wenn die Hauptstadt durch eine Feuersbrunst verwüstet würde. Habt ihr noch nie eine Hauptstadt in Flammen gesehen, dann solltet ihr mal versuchen, die kilesas mit den von mir bereits dargelegten Methoden anzugreifen. Dann werdet ihr die kilesas panischer und verwirrter aus dem Geiste davonrennen sehen als Menschen, die aus ihrem brennenden Haus flüchten.“
„Ich habe dies bereits getan und Ergebnisse ganz klar gesehen. Da kann mir keiner kommen und etwas vorschwindeln. Deshalb kann ich in voller Überzeugung darüber reden, ohne Angst zu haben, ob jemand darüber lacht oder nicht mit mir darin übereinstimmt, denn die Geschichte ist so wahr, wie ich hier sitze. Das Dhamma, das ich darlege, um es euch zu lehren, mit welchen Fähigkeiten ich das auch tun mag, entstammt fast ausschließlich diesem Training. Wenn jemand möchte, daß ich andere Methoden unterrichte, die ich niemals praktiziert habe und durch die ich niemals Ergebnisse erzielt habe, so kann ich es einfach nicht. Es wäre mir ungewohnt und fremd, wäre eine Rede um des Redens willen und könnte andere in Schwierigkeiten bringen. Das will ich nicht. Aber in der Weise zu lehren, wie ich es hier getan habe, wie immer es ankommt, das kann ich fassen, weil ich mich selbst davon überzeugt habe, weil ich es auch selbst in dieser Weise trainiert habe und wahrhaftig Ergebnisse dieser Art klar in meinem Geiste habe entstehen sehen.“
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Wer immer sehen möchte, wie die kilesas aus seinem Geiste vertrieben werden und die Flucht ergreifen, sollte versuchen, in der Weise zu handeln und sich zu trainieren, wie ich es hier gelehrt habe. Wenn aber jemand sehen will, wie die kilesas mit ihren Kindern, Verwandten und verschiedenen Vorräten für ihre Armeen den Geist besetzen und ihre Häuser, Arbeitsplätze und Orte errichten, von wo aus sie ihren Unflat aller Art über den Geist ergießen, dann muss er den Weg gehen, sich ihnen zu unterwerfen, sodass, wenn irgendeine der kilesas sich auch nur etwas bewegt und hervortritt, er sich ergeben verbeugt und ihr huldigt. Ein solcher Mensch steht für Zeugung und Geburt -das bedeutet immer wiederkehrende Geburt und Tod im gesamten Zyklus (vattavana)108. Er hat kein Bedürfnis, dem zu entfliehen, weil er sich nicht befreien und woanders hingehen kann, selbst nicht bis an das Ende der Zeit, weil der Weg der kilesas und jener, die die kilesas fördern, lediglich der Weg von Geburt und Tod ist.“
Dies unterscheidet sich ganz klar von dem Weg des Dhamma und derjenigen, die Dhamma fördern, um mit jedem Arbeitsschritt die kilesas und den Kreislauf von Geburt und Tod aus dem Geiste auszumerzen. Bei dieser Arbeit zögern sie nicht vorwärts zu preschen, und sie bekämpfen die kilesas in der Weise wie jemand, der keine Angst vor dem Tod hat. Bei einer solchen Kämpfernatur kann sich der Geist, selbst wenn er schwach und matt gewesen ist, ändern, stark und entschlossen werden und weiter üben, bis er sich wandelt und zu einem Geist wird, der vom vivatta109 befreit ist. Sobald der Geist vom „Kreislauf befreit ist“, besteht keine Notwendigkeit mehr, nach den verschiedenen kilesas zu fragen, da sie alle vollkommen verschwunden sein werden.“
„Nun, welchen Weg wollt ihr also gehen? Wollt ihr Kämpfer für die Fortdauer von Geburt und Tod oder für die Zerstörung des Kreislaufs der Wiedergeburten sein, indem ihr euch von allen seinen Keimen befreit, die in unser aller Geist vergraben sind? Jetzt müsst ihr euch entscheiden -schiebt es nicht auf die lange Bank. Ihr dürft nicht glauben, dass ihr einen langen Atem habt -wie ein Stromkabel -denn sein Weg reicht nur von der Nase in die Lunge hinein und wieder heraus. Ihr dürft euch nicht selbst täuschen und glauben, er sei so lang, dass er ewig währte.“
Dies war die Art der ovada110 , die der Ehrwürdige Lehrmeister Mann den praktizierenden Bhikkhus von Zeit zu Zeit erteilte. Wenn er lehrte, um sie wachzurütteln und in ihnen eine entschiedene und fröhliche Einstellung zur Übung des Dhamma zu bewirken, schien die Belehrung weit eindringlicher und schärfer zu sein als sonst. Wenn jemand ihn vorher noch nicht gehört hatte, führte es sehr wahrscheinlich dazu , dass er sich fürchtete, so sehr, dass er zitterte, statt während des Zuhörens ruhig zu werden, was eigentlich der Fall
108 Kreislauf 109 Auflösung des Kreislaufs der Wiedergeburten 110 Belehrung
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hätte sein sollen, denn es schien ihm, als würde er ihn tadeln und ihm drohen. In Wahrheit aber war dies einfach nur seine Art Dhamma darzulegen, angemessen für die Zeit, den Ort und die Personen, die ihm zuhörten und aufnahmen, was er lehrte. In seiner Belehrung verbarg sich keinerlei Hass oder Ärger. Bei jenen jedoch, die ihn schon gehört hatten, wurde der Geist umso ruhiger und friedlicher, je öfter sie ihn hörten und er sie zum Dhamma antrieb, wie streng und scharf er auch wurde. Es war, als hülfe er ihnen, die kilesas in sich zu zerstückeln, sodass sie alle aus ihrem Geist vertrieben wurden, damit sie mit ihren eigenen Augen und ihrem eigenen Herzen klar verstehen konnten, während sie zuhörten. Darum waren Bhikkhus, die den Weg praktizieren, immer sehr daran interessiert, dem Acariya zuzuhören, den sie verehrten und dem sie vertrauten, ohne jemals übersättigt zu werden. Dies gilt bis in die heutige Zeit.