sollten. Dinge aber, die zu tun sie uns raten und die wir zuallererst anpacken sollten, meiden wir und fürchten uns, sie in Angriff zu nehmen. Denke ich darüber nach, so ärgere ich mich über mich selbst, weil ich so gerissen bin, mich den falschen Dingen zuzuwenden. Die Leser sollten nun nicht glauben, dass ich ein gutes Beispiel bin. Sonst werden viele von ihnen zu Menschen, die sich ebenfalls für die falschen Dinge entscheiden.
Jene Dhutanga Bhikkhus, die nach den verschiedenen zuvor beschriebenen Methoden des Selbsttrainings suchten, führten diese durch, sobald sie ihre ersten Unterweisungen durch den Ehrwürdigen Lehrmeister Mann erhalten hatten, als dieser noch jung war, und folgen seiner Lehrpraxis bis zum heutigen Tag. Sie ließen nicht nach und gaben nicht auf, weil sie es als Erbe betrachteten, das er ihnen mit „metta“104 überlassen hatte, denn seine Lehre kam von Herzen. Deshalb versuchte jeder von ihnen, sich in Ehrerbietung und voller Vertrauen an diese zu halten, denn: „Dies ist die Übungspraxis, der er sich selbst unterwarf und durch die er Ergebnisse erzielte, die zur Zuflucht seines Geistes wurden. Es ist auch die beste Übungspraxis, die er aus seiner eigenen Erfahrung heraus gewählt hatte, die entschieden, durchschlagskräftig und voller Lebenskraft war. Er hatte sie ausgewählt, um sie denen darzulegen, die entschlossen in Dhamma sind und sie als eine Methode des beständigen Lehrens, Trainings und der Disziplinierung für sich selbst in der Zukunft sehen.
„Es heißt, dass sich der Ehrwürdige Lehrmeister Mann in seinen jungen Jahren mit großer Entschiedenheit übte und dass seine Unterweisungen sehr energisch und von großer Durchschlagskraft waren und er auch die Gabe hatte, das citta anderer Leute zu lesen (paracittavijja -übersinnliche Kräfte). Selbst als er fast zweiundsiebzig Jahre alt war, zur Zeit, als ich anfing, unter seiner Anleitung zu praktizieren, waren seine Unterweisungen noch voller Schwung. Als ich zum ersten Mal den Ehrwürdigen Lehrmeister aufsuchte, konnte ich in der Tat vor lauter Angst kaum aufmerksam zuhören. Gleichzeitig aber waren meine Ehrerbietung ihm gegenüber und mein Vertrauen zu ihm groß und ich musste mich den Wahrheiten beugen, die er mir in allem, was er darlegte, offenbarte, weil sie nicht weggeleugnet werden konnten. Wenn der Ehrwürdige Lehrmeister eine Dhamma-Lehrrede über die Methode der Anwendung von Selbstdisziplinierung zur Übung des Geistes hielt, war dies noch erschreckender, sowohl wegen seiner kräftigen Stimme und seiner Rhetorik als auch wegen der Art, wie er mit dem Finger deutete, während er
103 Die Wahrheit, die letztendliche Wirklichkeit. Die Lehre des Erhabenen Buddha
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann sprach: „Da drüben sind die Wälder! Da drüben sind die Berge! Das sind die wahren Orte für ein citta, das sich windet und wendet und schwer zu zähmen ist! Steckt eure Nasen nicht in Dinge oder in Freundschaften oder sonstiges in diesem Kloster oder anderswo. Jemand, der den Weg geht, muss seinen eigenen Charakter kennen und er muss die Verfahren kennen, mit denen er sich selbst trainieren kann. Wenn er seinen eigenen Charakter nicht kennt, wird er, selbst wenn er an seiner eigenen Übungspraxis arbeitet bis er stirbt, dennoch nicht die Ergebnisse erzielen, die er erreichen sollte. Wenn sein Geist widerborstig ist, muss er in seinen Anstrengungen entschieden sein und mit harter Hand Disziplin üben. Wer Angst vor Tigern hat, muss sich bei ihnen in den Wäldern und Bergen aufhalten. Wer Angst vor Geistern hat, muss auf dem Friedhof leben und mit den verschiedenen Geistern der Toten dort ausharren, bis sein Geist mit den Geistern dort eins wird! Dann kann man sagen, dass sich das citta der Disziplin unterworfen hat.
Wer sich im Wald aufhält und noch nicht furchtlos ist, wenn er Tigern begegnet, darf nicht nachgeben und den Wald verlassen. Wer sich vor Geistern fürchtet und seine Angst immer noch nicht verloren hat, darf den Friedhof nicht verlassen. Man muss Wälder und Berge als Orte des Todes für jene sehen, die Angst vor Tigern haben, und den Friedhof als einen Ort des Todes für jene, die sich vor Geistern fürchten. Aber bevor jemand seine Angst überwunden hat, darf er, wovor auch immer er sich fürchten mag, diesen Ort nicht verlassen. Sonst könnte die Angst ihn auslachen und zum Narren halten. Dies aber würde ihn für den Rest seines Lebens derart beschämen, daß er es auf keine Weise wieder gutmachen könnte.“
„Wenn man sich selbst und die Sasana aufrichtig respektiert, dann darf man nicht zulassen, dass alle möglichen Ängste entstehen, dann darf man sie nicht schlummern lassen, damit sie ihren Dreck über den Geist ausbreiten. Man muss sie am Kragen packen, niederwerfen, zertreten und auslöschen, indem man mit schier unerschöpflicher und geduldiger Ausdauer an sich arbeitet.“
„Wer Angst vor dem Tod hat, wird im Verlaufe seiner verschiedenen künftigen Leben vom Tod heimgesucht werden, ohne ein Ende zu sehen. Wer sich vor Tigern fürchtet, dem werden immer Tiger erscheinen, die kommen, um ihn zu täuschen und zu ängstigen. Ähnlich ist es mit jemandem, der sich vor Geistern fürchtet, denn er wird sich, wo immer er hingeht, Geister verschiedener Art einbilden, die kommen um ihn zu täuschen, bis er nicht mehr in Frieden leben, essen, sich niederlegen oder schlafen kann. Selbst wenn er zufällig ein Blatt von einem Baum herunterfallen sieht, werden ihn seine Gedanken täuschen und ihn glauben machen, dass ein Geist gekommen sei, um ihn heimzusuchen, und dies geschieht dann auch. Man ist unaufrichtig und die eigene Furchtsamkeit und Angst richten einen zu Grunde. Wohin man auch geht, wo immer man sich aufhält, man kann nicht anders als furchtsam und misstrauisch sein, aufgrund der
104 Liebende Güte
Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Angst, die sich das citta ausdenkt und einbildet, um sich dadurch selbst zu täuschen. Man kann dann überhaupt nichts Echtes und Wahres finden.“
„Wie ängstlich der Geist auch sein mag, ein Mensch muss lernen, die Angst zu überwinden, indem er die Methoden der Selbstprüfung und Selbstdisziplinierung anwendet, bis er die wahre Ursache der Angst erkannt hat. Hat man Angst vor Tigern, so muss man lernen, die Angst durch Erfahrung zu erkennen, und zwar mit Hilfe von Achtsamkeit und Weisheit, die durch geduldige Ausdauer unterstützt werden, so lange bis eine kühne Furchtlosigkeit entsteht und man aufspringen und nach dem Tiger suchen kann, während der Tiger nicht kühn genug ist, um etwas dagegen tun zu können!“
„Wenn man Angst vor Geistern hat, so muss man lernen, seine eigene Angst vor Geistern und, was die Geister wirklich sind, zu erkennen. In Wahrheit sind Geister nichts anderes als das eigene Herz, das einen mit seinen Gedanken heimsucht, die einem Angst einjagen. Geister verkehren mit Geistern, Menschen mit Menschen, und sie kommen sich nicht ins Gehege. Untersucht man dies gründlich, so sollte man in Frieden leben können. Man darf nicht rastlos sein Herz in Aufregung versetzen -denn glaubt ihr etwa, dies wäre Glück? Warum also wissen jene, die sich auf diese Wiese üben, nicht, dass ihr citta sie täuscht? Und -wenn sie es nicht wissen, wie können sie dann die wahre Bedeutung des Dhamma erkennen?“
„Ich übe mich in dieser Weise schon seit langer Zeit, vierzig, fünfzig oder mehr Jahre lang. Angst -ich habe Angst gehabt; Tapferkeit -ich bin tapfer gewesen; Liebe -ich habe geliebt; Hass -ich habe gehasst; Verabscheuung -ich habe verabscheut; Ärger -ich habe mich geärgert -all dies, weil ich eben ein Herz habe und kein toter Mensch oder toter Mönch bin. Aber ich habe mich bis an die Grenzen meiner Fähigkeiten beständig und unnachgiebig trainiert. Jene Dinge, die gewöhnlich das Sagen hatten und übermächtig waren, zerbrachen unter der Kraft der Arbeit und des Fleißes eines Menschen, der keine Angst hat zu sterben. Nichts kann sich unbemerkt in meinen Geist einschleichen und dort heimlich und unbemerkt verbergen. Wo immer ich bin, ich lebe gelassen und ohne Sorgen. Nun stellt sich mir nichts mehr in den Weg, wie es dies zu tun pflegte, um die Torheiten der Angst, der Tapferkeit, der Liebe, des Hasses, der Verabscheuung und des Ärgers zum Entstehen zu bringen, die alle das riesige Feuer der kilesas zur Folge haben, das den Geist verbrennt.“

„Was sonst könnte diese Ergebnisse herbeiführen, die die wahren Ergebnisse des Dhamma sind, als das Training und die Disziplinierung des Geistes, die diesen der Vernunft unterwerfen. Alle, die ihr zur Unterweisung hierher gekommen seid, mit der Absicht, die kilesas jeglicher Art zu vernichten, wie anders wolltet ihr es tun, als dass ihr euch trainiert und selbst diszipliniert – durch die bereits dargelegte Arbeit und Kapitel 4: Praxis und Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann Anstrengung. Um allen kilesas, wie zum Beispiel der Angst, ein Ende zu bereiten, gibt es nur diesen einen Weg des Trainings und der Disziplinierung des Geistes, der gegenwärtig ausgelassen umhertobt und überheblich gefühlsmäßig erregenden Dingen (arammana) hinterherjagt, die er sich ausdenkt und sich vorstellt, um euch selbst zu täuschen. Der Erhabene und alle Savakas konnten sich nur dadurch von allem dukkha befreien, dass sie diesen einen Weg des Trainings und der Disziplinierung des