Reichtum wir auch haben, wenn wir diesen nur verbrauchen, ihn ohne Sparsamkeit ausgeben und nicht ergänzen, so wird er nur abnehmen und letztlich aufgebraucht sein. Das Gleiche gilt, wenn es dem Geist gestattet wird, sich treiben zu lassen, sich seinem Schicksal zu überlassen.Das Ergebnis sind Sorgen und Ärger, die einem überall zu jeder Zeit widerfahren. Dies ist so, weil moralische Handlungen -gute sowohl als auch schlechte -nicht das Schicksal eines jeden, sondern nur dessen sind, der sie ausgeübt hat und der allein der Einzige ist, dem die Ergebnisse dieser Handlungen widerfahren.
Der Erhabene lehrte daher, dass man sehr vorsichtig und umsichtig sein muss, nicht nachlässig sein und sich nicht seinen gefühlsmäßigen Impulsen hingeben darf, denn, wenn die ungünstigen Ergebnisse dieser eigenen Handlungen auf einen zurückfallen, so führt dies zu großen Nöten, weil diese Ergebnisse weit schwerer wiegen als eine Bergkette von Hunderten von Bergen. Weise Menschen hüten sich daher vor ihnen und haben stets gelehrt, dass man das Böse fürchten soll. Dies lehren sie bis zum heutigen Tag, weil sie ganz genau wissen, dass die Ergebnisse des kamma -sowohl im Guten als auch im Bösen -nicht Dinge sind, die sich von Zeitalter zu Zeitalter verändern.
Nach dem zuvor beschriebenen Verfahren können die Dhutanga Bhikkhus, vom höchstrangigen bis zum Benjamin, die Basis des citta eines jeden Einzelnen erkennen, ohne tiefe Erkenntnisse (nana) über den Einzelnen zu haben, ohne die Tiefen der einzelnen Person zu erforschen, weil jene Dhamma-Diskussionen, die zwischen den Kammatthana Bhikkhus untereinander regelmäßig durchgeführt werden, von ihnen als sehr wesentlich angesehen werden. Denn sie betrachten sie als ein Mittel zum Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen untereinander und als Mittel für die „sammodaniyagatha89im Dhamma, das sie auf verschiedene Weisen geübt und erfahren haben.
Wenn sie dann miteinander sprechen, kommt jeder an der Gesprächsrunde Beteiligten, daran über etwas zu sprechen, was er erkannt hat. Das mag etwas sehr Allgemeines oder sehr Feines sein.
89 Das Entfachen von Freude und Inspiration
Wenn sie dann sprechen, kann man etwas über sie erfahren. Wenn sich aber zwei Acariyas unterhalten, wird es umso interessanter, je erregter sie miteinander sprechen. Ihr Dhamma ist von so tiefgründiger Natur und hat ein so hohes Niveau, dass man mit einem Gefühl der Bewunderung zuhört. Man fühlt sich so gering und so beschämt wegen der eigenen mageren Fähigkeit (vasana) bezüglich der Achtsamkeit und Weisheit, dass man am liebsten den Kopf in den Sand stecken möchte, weil man ganz unfähig zu sein scheint, die Dinge zu erfahren, die sie erfahren haben.
Hört man den Acariyas bei ihren Gesprächen zu, so sind sie fesselnd und wunderbar und man hat das starke Verlangen, Dhamma in der gleichen Weise wie sie zu erkennen und zu verstehen. Es scheint einem fast das Herz zu brechen -wo ist denn diese Achtsamkeit und diese Weisheit vergraben, die einen in die Lage versetzen sollte, die gleichen Erfahrungen zu machen wie sie? Man weiß es nicht! Selbst wenn man in seinen eigenen Gedankengängen nach ihnen sucht, man sucht vergebens. Alles scheint dunkel und undurchsichtig, so als ob sich niemals etwas Positives oder Außergewöhnliches ereignen würde, um zu befriedigen und für den Rest des Lebens etwas Freude ins Herz zu tragen, sodass man nicht vergeblich stirbt in diesem mit Unwissenheit angefüllten Körper.
Betrachtet man die anderen Zuhörer, so scheinen sie so würdevoll und ruhig zu sein, gerade so, als flögen sie der völligen Auslöschung ihrer kilesas entgegen. Es scheint, als ließen sie einen hinter sich zurück, der man selbst zu unfähig ist, die Achtsamkeit und die Weisheit zu finden, um sich zu retten -einsam dem Tod überlassen, eingetaucht in den Kreislauf (vatta) des samsara90 . Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr fühlt man das Herz sich zusammenziehen und den Geist sich ängstigen, so als wäre er verzweifelt und einsam im Dschungel ausgesetzt
Sobald die Dhammarunde beendet ist, geht man still zu den anderen Zuhörern und fragt: „Wie fühlst Du Dich nach diesem Dhammagespräch? Ich, jedenfalls, fühle mich, als wollte mir das Herz brechen und als ob ich auf der Stelle sterben würde. Das Dhamma, von dem sie redeten, war so erstaunlich und wunderbar, dass ich, wenn ich mich selbst betrachte, mir vorkomme wie eine Krähe, die auf einem goldenen Berg „thront“. Als ich darüber nachdachte, wollte ich diesen Körper in der Erde vergraben, um mich dessen zu entledigen, weil ich dachte, dass dies vielleicht die Sasana von der Last des toten Gewichtes eines unglücklichen Anhängers befreien würde, dem es an den inhärenten Fähigkeiten mangelt, so wie ich jetzt dastehe. Wie aber erging es euch und den anderen Zuhörern? Was habt Ihr empfunden? Bitte sprecht aufrichtig darüber, damit ich es als eine Dhammalehre aufnehmen kann, die mich in die Lage versetzt, freier zu atmen und mich dieses Gefühls der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit zu entledigen, das mir das Herz zu brechen scheint.“
Im Allgemeinen sagen jene, die kein Blatt vor den Mund nehmen, in etwa das Gleiche, denn jeder von ihnen empfindet eine große Befriedigung durch das Dhamma der Acariyas. Dann lenken sie ihre Gedanken auf sich selbst, denn sie wollen wie die Lehrer sein. Wenn aber die wesentlichen Voraussetzungen (hetu paccaya) hierfür nicht gegeben sind, macht sich Enttäuschung breit. Dies führt dann zu Gefühlen der Unzufriedenheit (dukkha) verschiedener Art. Sobald sie aber hören, dassdie anderen Lernenden und Übenden des Dhamma es ebenso empfinden, fühlen sie sich erleichtert und atmen freier. Dann fassen sie den Entschluss, die Ausbildung an sich selbst fortzuführen, ohne beklommen und ängstlich zu sein, dass sie nicht fähig wären, dies zu tun, oder nicht in der Lage sein würden, diesen oder jenen Zustand zu erreichen, was ohnehin eine unnütze Selbstquälerei ist.
An der Stelle, wo wir zuvor darlegten, dass einige Dhutanga Bhikkhus den Mut haben und ihr Leben dadurch aufs Spiel setzen, dass sie Orte aufsuchen und sich dort niederlassen, wo Tiger auf ihrer Nahrungssuche umherstreifen, und dass andere gar nachts in den Bergen umhergehen, um
90 Die gesamte Sphäre aller Daseinsebenen
Tiger zu suchen, mögen einige Leser gezweifelt oder nicht geglaubt haben, dass dem so sei. Denn dies führt zu der Frage: „Aus welchem Grund sollten Bhikkhus an solchen Orten verweilen oder gar nach Tigern suchen? Selbst wenn er nur in der Nähe der Höhle eines Tigers verweilt, reicht das für einen furchtsamen Menschen, ihn so zu ängstigen, dass er kaum atmen kann! Weshalb sollte man daher so extrem waghalsige Methoden anwenden? Der durchschnittliche Mönch würde niemals einen so extremen Weg gehen, es sei denn, er wäre ein wenig verrückt.“ In Wahrheit ist es auch so. Aber die Erzählungen über einige Bhikkhus stehen dem entgegen, denn sie überwinden die Angst, die entsteht, wenn sie in der Nähe der Höhle eines Tigers sitzend verweilen, ebenso wie wenn sie in den Bergen, in denen Tiger umherstreifen, sitzen oder umhergehen.
Jedoch die Angst, die in der Nähe des Ortes entsteht, an dem man sich alleine aufhält, ist eine Sache und es kann eine geeignete Methode angewendet werden, diese zu überwinden. Aber die Angst, die die Mönche auf verschiedene Weisen suchen, wie beispielsweise, indem sie in die Berge gehen und auf einem Fels sitzen oder nach Tigern suchen, ist unglaublich stärker, viel stärker als die, die man erfährt, wenn man sich alleine in seinem Wohnhaus befindet! Hätten diese Mönche keine wirksamen Methoden, diese Angst zu überwinden, so ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie verrückt würden, wenn sie tatsächlich einem Tiger gegenüber stünden. Sie müssen daher eine ganz andere Methode anwenden, um diese Angst zu bezwingen und schließlich zu überwinden. Hierfür benutzen sie eine ausgeklügelte Methode, die jeder Einzelne sich selbst ausdenkt, um sich zu üben und zu disziplinieren.
Es ist sehr wichtig, das citta, wenn es von Angst erfüllt ist, mit guten, den Umständen angepassten Methoden bis zu dem Punkt zu üben, an dem es sich des hartnäckigen Widerstandes der Angst entledigt. Die Ergebnisse, die entstehen, sobald sich das citta der Achtsamkeit und der Weisheit fügt, sind wundervoll und übertreffen alle Erwartungen.
Zunächst dreht der Geist den Spieß um und wird kühn und wagemutig, sobald die Angst durch jene ausgeklügelten und wirksamen Methoden überwunden worden ist. Hiernach bleibt das citta vollständig ruhig und ist ohne jede Angst. Zweitens, wenn sich das citta aus diesem Zustand der Ruhe heraus begibt, bleibt die kühne Furchtlosigkeit erhalten, ohne in das vorherige Stadium der Angst zurückzufallen. Drittens dient dies als offensichtlicher Beweis für den Geist und zeigt sehr deutlich, wie das citta durch disziplinierende Übungen unter Zuhilfenahme und mit Unterstützung durch verschiedene geistige Verfassungen, wie beispielsweise Angst, gezwungen werden kann, seinen hartnäckigen Widerstand aufzugeben. Viertens empfindet man Befriedigung, durch diese oder jene Methode und mit geschicktem Geist die Übung an sich durchgeführt zu haben, und hat keine Angst vor dem Tod.
Es sollte ebenfalls verstanden werden, auch wenn man sich nach anderen Vorgehensweisen übt, dass diese Bhikkhus es mit der Zuversicht aufgrund der Ergebnisse tun, die sie zuvor durchÜbungen erreicht haben. Dies lässt sie weitermachen und ihre Anstrengungen steigern, um in der Entwicklung ihres citta und des Dhamma im Geiste voranzuschreiten, bis sie das Ziel erreicht haben, das sie sich gesetzt hatten.
Folglich sind die Übungen des Geistes oder des Menschen selbst, die die Dhutanga Bhikkhus durchführen, von vielfältiger Art, um dem Temperament des Einzelnen zu entsprechen. Aber allgemein gilt, dass sie alle solche Methoden anwenden, die bei ihnen bereits in der Vergangenheit zu Ergebnissen geführt haben. Daher müssen sie eher an den Methoden weiterarbeiten, statt andere (neue) zu benutzen.
Die Persönlichkeiten der einzelnen Menschen weichen voneinander ab und es gibt solche, deren citta alle Achtsamkeit verliert, sobald Angst entsteht. Sie sind wie hypnotisiert. Es widerfährt ihnen immer wieder, was auch immer ihnen Angst bereitet. Solche Menschen sind für Übungsmethoden, die Angstsituationen nutzen, nicht geeignet, denn sie könnten dabei den Verstand verlieren.
Daher muss die asketische Übung, die angewendet wird, die Persönlichkeit des einzelnen Menschen in Rechnung stellen. Es muss abgewogen werden, welche Methoden geeignet sind und ihm helfen, einen starken Geist zu entwickeln. Man sollte nicht einfach eine Methode aufgreifen, von der man gehört hat, dass sie zu guten Ergebnissen führt, ohne dabei die Eigenschaften des eigenen citta zu berücksichtigen. Tut man dies dennoch, so erfährt man mit Sicherheit Ergebnisse, die nicht so sind, wie sie sein sollten.
Diese Aussage soll nicht die Schwächen oder Unzulänglichkeiten jener steigern, die den Weg üben, sondern deutlich machen, dass das, was man tut, geeignet sein sollte, damit man darausin Übereinstimmung mit dem eigenen Zustand oder den eigenen Voraussetzungen Nutzen zieht. Einige Menschen könnten nämlich dann, wenn sie an diesem Kreuzweg angelangt sind, glauben, dass alles, was ermüdend und schwierig ist und ihnen gegen den Strich geht, ungeeignet sei. Sie folgern daher: „Es ist meiner Persönlichkeit nicht dienlich, solche Dinge zu tun, weil jemand wie ich es gewohnt ist, bequem zu leben. Es ist für mich nicht erforderlich, mich Ängsten verschiedener Art auszusetzen, um im Geiste getroffen zu werden, einen Geistesblitz zu erleben. Ich kann bequem leben und essen und schlafen, was viel angenehmer ist und meiner Persönlichkeit entspricht, die die Bequemlichkeit liebt.“
Man sollte sich aber daran erinnern, wie der Erhabene -der erste Bhikkhu und Arahant, der als die „Zuflucht“ der Welt gilt -die Erleuchtung und Erfüllung im Dhamma durch strenges Üben und harte Disziplin erlangte und nicht durch irgendwelche anderen Methoden, die bequeme und schwache Menschen als gut bezeichnen. Niemand hat jemals die Erfüllung im Dhamma errungen, indem er nach der Lust des Geistes lebte, aß und schlief, ohne jemals dem citta zu widerstehen undauf den Geist disziplinierende Übungen anzusetzen.