darin stundenlang ausruhen, manchmal bis zu zwölf Stunden, bevor es wieder aufsteigt. Während das citta über Stunden in samadhi verweilt, behält der Körper seine Stellung ohne Veränderung bei. Einige mögen sich wundern: Gibt es denn, nachdem das citta sich aus dem samadhi zurückzieht, keine Körperschmerzen? Deshalb seien die Natur des citta und der khandhas hier genauer erklärt.
Wenn das citta vollkommen vertieft in der Stille ruht, werden sowohl das citta als auch der Körper durch nichts gestört. Während dieser Zeit ist die Stille des citta und der khandhas viel tiefgründiger als im Zustand des Tiefschlafes, weil manchmal, wenn man nach langem Schlaf erwacht, Schmerzen in den Teilen des Körpers sind, die sein Gewicht trugen. Auf der anderen Seite wird das citta, das aus dieser Art von samadhi auftaucht, keinerlei Schmerzen von irgendeinem Körperteil erfahren. Jeder Körperteil behält seinen normalen Zustand bei. Darum besteht ein starker Glaube an die Wahrheit, dass jene, die während mehrerer Tage in das nirodha samapatti85 eintreten, tatsächlich die Fähigkeit haben, dies zu vollbringen und dass ihre pyhsische Gesundheit so bleibt wie zuvor und weder von Krankheit heimgesucht noch durch die Vertiefung in samadhi geschwächt wird.
Die Dhamma-Diskussionen unter den Dhutanga Bhikkhus beschäftigen sich normalerweise hauptsächlich mit den durch ihr Training erzielten Ergebnissen, entsprechend dem von jedemEinzelnen erlangten Niveau, und mit den verschiedenen Übungsbereichen und den Örtlichkeiten,wo geübt wurde. Dies ist der wahre Weg des Austauschs und der Übertragung von Wissen des Herzens, die denjenigen geistige Nahrung für lange Zeit bieten.
Ihre Gespräche drehen sich niemals um Dinge der Welt (samsara), um Geschäfte oder Politik, Gewinn oder Verlust, Liebe oder Hass, Wut, Abscheu, Neid, Rachsucht, oder Eifersucht -diese werden nicht einmal angedeutet, weil sie sich allein um die Übung des Dhamma kümmern. Wie lange sie sich auch unterhalten mögen, was davon abhängig ist, wieviel Zeit erforderlich ist, es ist ein Mittel für den moralischen Aufschwung des citta des Zuhörers, sodass dieser das Gehörte in sich aufsaugt und vollständig vom Dhamma durchdrungen wird.
Dies ist eine äußerst vorzügliche Begebenheit, die sehr gut in dem Dhammaspruch beschrieben wird: „Kalena Dhammasakaccha etammangalamuttanam“ (Gespräche über Dhamma zur rechten Zeit sind der höchste Segen). Dies ist deshalb so, weil solche Gespräche unter denen, die diesen Weg gehen, zum Ziel haben, zu wissen und zu erkennen, was wahr ist, und die Wahrheit
85 Der vollkommene Stillstand, alles hört auf zu existieren
zu fördern, und nicht, um über die erreichten Stufen und Fertigkeiten oder wieviel man weiß oder wie schlau man ist, zu prahlen. Das citta eines jeden einzelnen Beteiligten ist während der ganzen Zeit des Gespräches bereit, die Wahrheit zu hören, die ein jeweils anderer darlegt. Wenn aber bei einem von ihnen während seiner Darlegung gesehen wird, dass er Schwachpunkte hat oder Fehlinterpretationen hervorbringt, so wird er stets mit wahrer und aufrichtiger Achtung bereit sein zuzuhören und sich von einem anderen Beteiligten, der eine höhere Ebene des Dhamma erreicht hat, berichtigen lassen. Solche Gespräche dienen der gegenseitigen Überprüfung des Wissens, des Verständnisses und des Status des citta in Verbindung mit den Fertigkeiten des samadhi und des Pfades, der Erfüllung und des Nibbana (Magga-Phala-Nibbana -der Achtfache Pfad -die Verwirklichungen und das Erlöschen, die Freiheit).
Wenn solche Bhikkhus volles gegenseitiges Vertrauen -ohne jeglichen Zweifel oder Vorbehalt -in den Wert und die Richtung der Übungen haben, können sie vertraulich miteinander sprechen und alles Dhamma, das sie in sich haben, gegenseitig offenbaren, ohne etwas zurückzuhalten oder zu verbergen. Auf diese Weise können die Übenden ziemlich deutlich erkennen, welche Ebene des Dhamma ein jeder von ihnen erreicht hat. Dieser Bhikkhu hat diese oder jene Grundlage des citta und eine Ebene des Dhamma, jener hat ein feines citta, jener hat große Weisheit, jener ist dicht davor, sich von Werden und Geburt zu befreien, und dieser hier istbereits über dieses Stadium hinaus, frei von allen Ängsten, und kann sich entspannen. Was diesen hier betrifft, so ist er träge und schwach in seinen Meditationsübungen und wenn er in samadhi sitzt, so lässt er einfach nur den Kopf hängen und schläft innerlich. In der Tat, wo immer er sitzt, er schläft innerlich, weil er äußerst geschickt darin ist, innerlich zu schlafen.. Man sollte daher nicht annehmen, dass unter den Dhutanga Bhikkhus alle durch und durch gut sind. Auch ich erlangte die Fertigkeit, innerlich zu schlafen -mag aber damit nicht prahlen.
Dieser Bhikkhu hier -sein citta wird ständig ruhiger, dieser beginnt sich in samadhi zu entwickeln, dieser hat fremdartige Kenntnisse über Dinge jenseits der Welt wie die pretas86 , Geister und devas87 . Dieser hier zieht es vor, im Sitzen zu meditieren, jener im Liegen und jener im Stehen. Dieser diszipliniert sich lieber, indem er sich nicht hinlegt, dieser dadurch, dass er seine Nahrungsaufnahme verringert und jener dadurch, dass er fastet. Jener diszipliniert sich gern, indem er in die Wälder geht und nach Tigern oder Bären als Mittel zur Überwindung seiner Angst sucht, wobei er diese untersucht und hinterfragt, während Tiger und Bären die Ursache seiner Angst sind. Dieser wiederum diszipliniert sich gern dadurch, dass er nachts in den Bergen umhergeht, um nach Tigern zu suchen. Dieser empfängt gern mysteriöse Gäste in Engelsgestalt (Deva).
Aber dieser hier hat Angst vor Geistern und vor den Geistern Verstorbener. So als ob ihn seine Eltern in einem Haus voller Geister und Verstorbener aufgezogen hätten, die ihn ständigÄngste ausstehen ließen und ihn heimsuchten, sodass er nach seiner Ordinierung dazu neigte, sich vor diesen pretas zu fürchten. Ein anderer ist von leichtgläubiger Natur, nimmt alles hin und glaubt, was andere sagen, und überdenkt nicht gern das Gehörte ob es einsichtig ist, bevor er es als wahr annimmt. Der hier dagegen vertritt vielfache Ansichten und stimmt nicht leicht anderen Menschen zu.
Dieser hier ist gescheit und liebt es, Dinge gründlich zu untersuchen und zu überdenken, bevor er sie annimmt -er glaubt nicht blindlings. Wenn der Acariya sie in Dhamma unterweist, wird ein solcher Bhikkhu am Ende der Lehrdarlegung viele Fragen auf dem Herzen haben, die er dem Acariya stellt, worauf dann zwischen den beiden ein Dialog auf der Basis von Argumenten entsteht. So können die anderen Zuhörer ihr Wissen und ihre Fertigkeiten durch Zuhören auf vielfältige Weise verbessern, zudem ist es eine gute Verfahrensweise, denen zu helfen, die den Weg gehen, und ihre Achtsamkeit und Weisheit zu üben. Ein solcher Bhikkhu ist eine Bereicherung für
86 Ein Toder, Entschwundener, Geist im Sinne von Geistern 87 himmlische Wesen
jene, die mit ihm zusammen sind. Er gibt dem Kreis derer, die den Weg praktizieren, Würde und vermittelt Vertrauen dem Acariya gegenüber, der sie ausbildet und lehrt. Wo immer er geht und mit welchen Bhikkhus er zusammen ist, jeder ist von ihm überzeugt und vertraut ihm. Wenn er für sich alleine ist, versucht er, sich in angemessener Weise mit Vernunft und Dhamma um seine Belange zu kümmern, ohne etwas zu tun, was für seine Freunde oder Gefährten, die sich im Dhamma üben, abträglich wäre oder zu einer Verschlechterung führen könnte. Bei Kontakten mit Laien handelt er angemessen und schicklich und lässt sich nicht zu sehr in ihre Angelegenheiten hineinziehen, denn bei einem Dhutanga Bhikkhu ist immer damit zu rechnen, dass sich ein zu enges Engagement einschleicht. Wenngleich dies im Allgemeinen nicht mit Absicht geschieht, so kann doch ein Mangel an Fertigkeit und Sorgfalt zum Verlust der Tugendhaftigkeit in einem anderen Bereich führen.
Eine weitere Situation, die bei den Praktizierenden immer eintreten kann, ist, dass der Geist, wenn das citta samadhi erreicht, weil es dann ruhig und fest wird und sich nicht von der Außenwelt ablenken und stören lässt, dazu neigt, außergewöhnlich beredt und witzig zu werden. Dies kann leicht dazu führen, dass sich der Übende vergisst. Er könnte glauben, dass er ausreichende Fertigkeiten erworben habe, obgleich dies nicht der Fall ist. Er fängt ja gerade erst an, einigeFertigkeiten zu erwerben, wenn er erstmalig die Übungspraktiken ausprobiert, ohne sich dabei zu vergessen.
Aber die Übenden vergessen sich üblicherweise mehr in dieser als in anderer Weise, weil ihnen dieser Zustand zuvor niemals widerfahren ist. Dies ist der erste Schritt der Tugend, der Ruhe, des Glücks für den Geist und der Festigung des Geistes, der von den Übenden erreicht wird, was sie deshalb in Aufregung versetzt, sodass sie sich vergessen können.
Wenn in einer solchen Situation niemand da ist, der den Übenden warnt, könnte er den Eindruck gewinnen, das Dhamma zu kennen und dem Trugschluss oder der Einbildung erliegen: „Dhamma hat sich offenbart!“. Die Beredsamkeit des Geistes kann dann geistvolle Dhammareden entwickeln und später glaubt er, dass er solche Reden geschickt halten kann und dass sich Dhamma in seinem Geist entwickelt hat. Wie viel er auch redet, das Dhamma schwindet mehr und mehr, wie das Wasser einer Flut, ohne Grenze und Zurückhaltung, bis er schließlich ununterbrochen redet, um zu reden. Bevor er es bemerkt, sind viele Stunden durch Schwatzen oder eine Ausführung zum Dhamma vergangen. Dies geschieht immer wieder.
Im Gespräch mit Menschen hat er keinerlei Zeitgefühl, kein Gefühl dafür, ob es angebracht ist zu sprechen, oder wann es Zeit ist zu schweigen, und seine Reden finden kein Ende, kein „Evam“88. Was immer er an Dhamma in sich trägt, er gräbt es aus und spricht und redet darüber mit jedem, der ihn besucht, bis es vollständig aus ihm heraus geflossen ist, ohne dass er weiß, weshalb sie zu ihm gekommen sind. Er teilt es einfach aus, ohne Zurückhaltung, Bedauern oder Ökonomie. Obwohl in seinem Geiste nur wenig Dhamma vorhanden ist, schwelgt er darin, es zu verbreiten, um sich selbst zu befriedigen. Unablässig fährt er damit fort, es zu verstreuen, ohne es zu entwickelnund zu schützen, indem er an seiner Übungspraxis arbeitet, was als Damm dienen würde, der verhindert, dass das Dhamma aus seinem Geist heraus fließt. Statt dessen fügt er ihm Schaden zu, weil er nicht weiß, wenn er zu weit gegangen ist. Selbst der Wasserspiegel im Meer kann sinken und der Geist, der vernachlässigt wird, indem nicht daran gearbeitet wird, das Dhamma zu entwickeln, weil wenig Zeit für die Übungspraxis aufgewendet wird, wird mit Sicherheit auf ein niedrigeres Niveau absinken. Das citta, das sich „stark nach außen kehrt“, ohne auch an sich für seine eigene Entwicklung zu arbeiten, wird sicherlich mit der Zeit in einen schlechteren Zustand geraten und tiefer und tiefer sinken, bis nichts mehr in ihm ist.
88 Es ist wohl gesagt, ist normalerweise dei Beendigung einer Rede oder auch das Wohlwollen über eine beendete Rede
Was letztlich einem solchen Mönch bleibt, sind zerstreute Gedanken und Ärger im Kopf. Wenn er versucht, seinen Geist zu beruhigen, wird dieser nicht ruhig bleiben und er kann ihn nicht in den Zustand der Ruhe versetzen, wie er das zuvor gewohnt war. Aus der früheren Ruhe und Gelassenheit heraus verändert sich sein Geist und wird eingebildet, eitel, kokett, verwirrt und schwermütig. Es ist gleichgültig, ob der Mönch dann steht, geht, sitzt, liegt oder irgendeine andere Stellung einnimmt, es ist so, als ob sein Geist brennt und er findet weder Ruhe noch Frieden. Wenn er keinen Ausweg mehr sieht, so denkt er daran, mit dem Feuer zu gehen, was die Situation nurnoch verschlimmert, wenngleich er dies nicht erkennt. So denkt er: „Wenn es immer nur Ärger , Verwirrung und Unruhe dieser Art gibt, weshalb soll ich da weiterhin die Robe tragen und eine Belastung für die sasana sein? Es ist besser, die Robe abzulegen, denn ich sehe keinen Sinn darin,in dieser Weise weiterzumachen. Ich muss die Robe ausziehen, um mich von den Ängsten zu befreien, die aus gefühlsmäßigen Schwierigkeiten dieser Art heraus entstehen und aus Gedanken, die während der ganzen Zeit, seit ich Mönch wurde, nicht verheißungsvoll waren.“ Aber, selbst nachdem er die Robe ausgezogen hat, wird ein solcher Mensch durch diese Denkweise keine günstige Entwicklung nehmen, es wird ihm weiterhin an Tugend mangeln wie vor seinem Mönchsleben auch und er wird so unnütz sein wie zuvor. Wenn er sagt, er würde die Sasana entlasten, wenn er sein Mönchsleben aufgibt, so ist dem nicht so. Die Sasana wird dadurch nicht entlastet oder leichter, sondern sie bleibt einfach nur die Sasana, die die Wahrheit aufrecht hält, wie sie es schon immer tat.