Kammatthana Bhikkhus geboren bin. Ohne Rücksicht auf Verluste werde ich genau jetzt bis zum Ende kämpfen, bis ich tot oder lebend entweder siege oder eine Niederlage erleide. Welche Seite wird die stärkere und mächtigere sein? Welche Seite wird fähiger sein, ihre Ehre und die des Sasana aufrechtzuerhalten? Welche Seite wird aufgrund von Angst sich selbst und das Sasana zerstören? Dies muss jetzt, noch heute Nacht, in Erfahrung gebracht werden. Dies muss vollständig untersucht werden und zwar sofort.“
Während Untersuchung und Analyse voranschreiten, -wobei die dhatu, die khandas sowie die Natur von Angst und Kühnheit sowohl unterschieden als auch verglichen werden -um ernsthaft und gründlich die Wahrheit über all dies herauszufinden, fängt das Herz an, den Instruktionen von panna folgend, zu erkennen und zu verstehen. Denn panna lehrt es ununterbrochen und lässt keinerlei Lücken oder Abschweifungen zu, bis Ruhe und Frieden einkehren. Zu dieser Zeit bleibt kein Rest von Furcht übrig. Das Ergebnis ist Frieden und Freude. All die von den sanna-arammana81 erzeugten Vermutungen und Assoziationen, denen man vorher noch Glauben schenkte, verschwinden vollständig. Was bleibt, ist eine sehr besondere Art von Ruhe und Glück des citta.
Das citta fasst dann Vertrauen zu der Sache, dass die Methoden der Untersuchung wirklich und wahrhaftig der Weg sind, um den Zustand von Verwirrung, Angst und Furcht zu überwinden. Auch ist es von den Ergebnissen überzeugt, die aufgrund der Methoden der Untersuchung, initiiert durch Furcht, in jener Zeit entstehen, denn diese bestehen aus einem wundervollen, noch nie erlebten Frieden und Freude.
Dies ist eine der Methoden, der sich Mönche, um sich der Angst zu entledigen, solange bedienen bis sie die Ergebnisse für sich selbst erfahren haben. Aber in den Anfangsstadien der Praxisweise von kammathana benutzen sie eher eine vorbereitende Übung der Meditation (parikamma bhavana) sich auf einen Aspekt von Dhamma, wie z.B. »Buddho«, ausrichtend wenn grosse Angst aufsteigt, als sich mit Hilfe der Untersuchung daranzumachen. Dies kann auf dieselbe Weise zur Ruhe und zur Vertreibung der Angst führen, nur unterscheidet sich diese Methode von der Methode der Untersuchung dadurch, dass man mit ihr keine geschickten oder kluge Mittel an die Hand bekommt.
Einige der Praktizierenden werden, wenn Angst aufkommt, während sie unter dem Moskitonetz sitzen, dieses aufrollen, um im Freien zu sitzen und sich den Moskitos und Insekten auszusetzen. Man versucht dies durchzuhalten und sich nur auf die Arbeit von bhavana zu konzentrieren, indem man die verschiedenen Methoden anwendet, um die in dieser Zeit entstehende Angst zu überwinden. Das wird so lange fortgeführt, bis man sie wirklich überwunden hat, um sich dann eine Ruhepause zu gönnen.
Die Ruhe des citta, das mit Hilfe der Angst trainiert wird, ist viel feiner und hält auch viel länger an, als die Ruhe, die mit den gewöhnlichen Methoden von bhavana erzielt werden kann.
80 Das Gesetzt von Ursache und Wirkung 81 Objekte der Assoziation und Erinnerung
Während das citta in diesem tiefgründigen und vollständigen Zustand von Ruhe verweilt, verschwindet der Körper ganz aus dem Bewusstsein. Der Kontakt zwischen den inneren und äußeren ayatana82 verschwindet so lange, bis sich das citta wieder aus diesem Zustand herausbegibt, und jene wieder ihre Tätigkeit aufnehmen.
Der Zustand des citta, in dem die Sinnesempfindungen (ayatana) aufhören zu arbeiten, kann mit einem Zustand des Schlafes verglichen werden, doch ist er kein Schlaf. Während des Schlafes passiert nichts Tiefgründiges oder Sonderbares, aber wenn das citta vollkommen still ist, entsteht eine sehr eigenartige und tiefgründige Erfahrung. In diesem Zustand von Ruhe ist das einzige Merkmal »klares Wissen«. Diese Erfahrung führt einen dazu, sich ständig danach zu sehnen, ohne dessen müde zu werden. Es wird den, der dies erfahren hat, dazu bringen, für sein zukünftiges Training kühn zu sein und entschlossen, diese spezielle Methode zu verwenden.
Wer diese Erfahrung gemacht hat, wird niemals schwanken, einerlei wie viel Furcht aufkommen mag. Man wird dann auch Angst als das Mittel benützen, sich zu ermahnen, sich anzustrengen und die Furcht zu überwinden, so wie man dies vorher erfahren hat. Dies veranlasstden Praktizierenden dazu, als Übungsfeld Furcht einflößende Gegenden aufzusuchen. Je gruseliger die Gegend, desto mehr Interesse besteht daran, für die Arbeit der Kultivierung und Entwicklung diese Art von Orten aufzusuchen. Das ist deshalb so, weil das Training des von Angst heimgesuchten Herzens mit Hilfe von sati-panna, die es mit den Tricks des Herzens aufnehmen können, so lange bis sie in Kühnheit und Furchtlosigkeit umschlagen, genau das ist, was man sich schon immer gewünscht hat.
Was nämlich furchterregende Gegenden betrifft, so sind diese dann besonders schrecklich, wenn sie die Jagdgründe von Tigern sind, die üblicherweise auf der Suche nach Futter umherstreifen. In einigen Gegenden streifen die Tiger selbst am hellichten Tag umher. Aber besonders in der Nacht sind diese ihr natürliches Jagdrevier und im Gegensatz zum Tag haben sie dann keine Angst vor Menschen. Anscheinend sorgen sie sich um Menschen genauso wenig wie um die Tiere, die sie vertilgen. Selbst wenn sie in der Nähe einer Unterkunft herumstreichen und nicht zu brüllen anfangen, weiß man nicht, dass sie da sind. Es ist jedoch der natürliche Instinkt des Menschen, Tiger als wild und gefährlich einzustufen, und man kommt wirklich nicht daran vorbei, an sie zu denken und sich vor ihnen zu fürchten. Sucht man einen solchen Ort auf, dann weiß man ganz genau, dass man sich in der Höhle des Tigers befindet. Wer könnte dann so ruhig bleiben, als ob er sich auf einem Marktplatz befände? Natürlicherweise wird man misstrauisch und sich vor ihnen fürchten.
Der Dhutanga Bhikkhu, für seine Tapferkeit bekannt, ist wahrlich ein Garant dafür und verdient Respekt und Bewunderung. Denn wenn er cankama durchführt, ist er unberührt von den Tigern, die in seiner nächsten Umgebung umherziehen und brüllen. Es ist so, als ob gar nichts passiert wäre. Danach befragt, würde er beiläufig mit überzeugenden Argumenten antworten. Wenn er zum Beispiel so gefragt würde: „Tiger sind wilde Bestien, die Menschen wie Tiere verschlingen und über ihre bedrohlichen Taten wird ständig berichtet. Wie ist es dir möglich, deine Gehmeditation durchzuführen, ohne von ihnen beunruhigt zu werden? Hast du eine gatha83,welche die Tiger daran hindert, dich zu verschlingen? Falls ja, würde ich sie gerne von dir lernen, damit ich mich, wenn ich den Dschungel aufsuche, nicht vor ihnen fürchte. Dann könnte ich bhavana ohne aufkommende Furcht und mit Leichtigkeit durchführen. Die größte Qual, wenn ich in Wäldern und in Bergen lebe, wird durch nichts anderes als Angst verursacht. Wenn ich meine Angst aufgrund eines Zauberspruches loswerden kann, der diese bösartigen Bestien daran hindert, mich in Stücke zu zerreißen, wird dies mir zur Beruhigung dienen und mich erleichtern.“
Ganz beiläufig wird der Mönch erwidern: „Dort drüben brüllen die Tiger. Ich jedoch führe Gehmeditation hier durch. Wir sind viele sen84 oder sogar Kilometer voneinander getrennt. Wozu soll ich mich vor ihnen fürchten? Würden sie direkt vor meiner Nase brüllen, im Begriff, mich
82 Sinnesempfindungen 83 Ein Vers, ein Zauberspruch 84 1 sen ist ca. 40 Meter
anzuspringen und zu verschlingen, dann bestünde wirklich Grund zur Angst. Aber wohin ich auch gehe, ich höre nur ihr Brüllen, was der Natur von Tieren mit Mäulern entspricht. Ich habe noch nie erlebt, dass sie sich so wild benehmen und ich mich vor ihnen hätte fürchten müssen.
Was die verschiedenen Zaubersprüche betrifft: Wir kennen sie alle, machen jedoch leider keinen Gebrauch von ihnen. Aber was törichte Menschen wie dich betrifft, so fürchte ich, dass du. selbst wenn du sie von der Göttin Vesuvana im Himmel erlernt hättest, sobald du den Dschungel betreten und das Brüllen von Tigern vernehmen würdest, nur um dein Leben rennen und die Zaubersprüche mit dir nehmen würdest. Ungeachtet der Wirkungskraft der Zaubersprüche, würden sie ganz sicher hinweggeblasen von den Feiglingen, die um ihr Leben rennen und ihre Hosen und alle Zaubersprüche verlieren. Selbst wenn ich Zauber besäße, würde ich sie nicht an Menschen wie dich weitergeben, da ich Angst hätte, dass du sie unbrauchbar machen würdest. Ganz ungeachtet der Tatsache, wie machtvoll sie wären, wenn ein Tor sie benutzte, würden sie ihm nicht helfen. Es ist ähnlich wie mit einem geschulterten Gewehr. Wenn jemand bedroht würde und sich in Gefahr befände, es aber nicht zu bedienen wüsste, wäre es ohne Nutzen.
„Im Moment diskutieren wir gerade einmal über Tiger und Geister und schon fängst du an vor Angst zu zittern. Wie könntest du dann die Achtsamkeit besitzen, einen Zauberspruch aufzusagen, um dich zu schützen? Du würdest geradewegs davonlaufen, eine große Schande, die du für den Rest deines Lebens nicht vergessen würdest. Ich denke nicht so wie du. Sonst müsste ich nach Zaubersprüchen suchen, um diese Tiger und andere Bestien einzuschüchtern, statt mich darum zu sorgen, wie ich Mittel und Wege finde, diese bedrohliche Angst im Innern austreiben zu können. Am Ende bliebe ich ohne Fundament zurück und könnte mich für den Rest meines Lebens nicht mehr auf mich selbst verlassen. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es wirklich beschämend, dass Tiger mächtiger als Menschen sind. Ihr einfältiges Stöhnen und Knurren, das sie in ihrer Wildheit spielerisch ausstoßen, versetzt einige Menschen schon in Schrecken! Es muss gesagt werden, dass Tiger um ein Vielfaches mächtiger sind als Menschen, die kein Fundament in ihrem Herzen besitzen.“
Dies sind die Antworten eines Bhikkhu auf Fragen nach Zaubersprüchen. Sie sind voll von Lektionen, die es zu überdenken gilt.
Der Mönch, der sein boshaftes, dickköpfiges und unkultiviertes citta mit Hilfe von unnachgiebiger Anstrengung so unterworfen und gezähmt hat, dass es für Dhamma und Vernunft empfänglich wurde, wird sich nicht von Ereignissen, denen ein jeder ständig und unvermeidlich ausgesetzt ist, erschüttern lassen. Er kann überall hingehen und in jeder Umgebung leben. Der Dschungel, den Feiglinge für unbewohnbar halten, wird zu seinem Zufluchtsort, wo er immer die Seligkeit der Abgeschiedenheit genießen und in Frieden ruhen kann. Jemand, der nach Tugend und Selbstentwicklung sucht, sollte sich diese Art von Training als seine Methode aneignen. Auch wenn man nicht wie er im Dschungel oder in den Bergen lebt, können die Methoden, wie man sich selbst bei den verschiedensten anfallenden Arbeiten und Pflichten zur Entwicklung von Tugend und zu einem festen Fundament für die Gegenwart und Zukunft diszipliniert, vermittelt und erreicht werden. Anderenfalls wäre es für den Erhabenen Buddha nicht möglich gewesen, der Welt Dhamma zu verkünden und zu lehren, da niemand in der Lage gewesen wäre, nach seinem Beispiel zu praktizieren. Aber es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass es viele gibt, die praktizieren, dem Beispiel des Dhamma folgend, wie ein Schüler einem Lehrer folgt, und daher werden sie gute und tugendhafte Bürger im Kreis der buddhistischen Anhängerschaft.
Die Disziplinierung des citta mit den verschiedenen Methoden und die Auswahl derer, die man als geeignet und effektiv erachtet, ist dem Einzelnen überlassen. Jedoch der Dhutanga Bhikkhu in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann hat bis zum heutigen Tag immer seine patipada befolgt. Der Mönch, der den im Wettstreit mit dem Gebrüll von Tigern seine Gehmeditation durchführenden Mönch befragt, glaubt wirklich, dass jener andere einen Zauber besitzt, der die Fänge des Tigers verschließt. Er selbst hat große Angst vor Tigern, wenn er deren Gebrüll in seiner Nähe wahrnimmt, obwohl diese niemals seine Umgebung heimsuchten. Das ist der Grund, warum er so eine Frage aufwirft.
Die Erörterung von Dhamma unter den Dhutanga Bhikkhus, wenn sie zur rechten Zeit geschieht, ist von großem Interesse. Dabei mag es sich um Dhamma handeln, das sich aufgrund von Praxis im Herzen offenbart, oder um die unterschiedlichen Methoden, die zur Disziplinierung des citta angewandt werden; oder um Mut und Furcht, die unter verschiedenen Umständen entstehen; oder um dukkha und Qualen, die entstehen, wenn man den Körper extremen Belastungen aussetzt und so gelegentlich das citta damit plagt. Das Thema von größter Bedeutung jedoch ist das verinnerlichte Dhamma von samadhi und panna, das jemand an den verschiedensten Orten erfahren und erlebt hat. Wenn dies gemäß der Ebene der Errungenschaften und Verwirklichungen jedes Einzelnen erörtert wird, ist es angenehm zu hören und erfüllt den Zuhörer mit Freude, sodass man die Zeit und seine Müdigkeit vergisst.
Es gibt einige Fälle, allerdings sehr wenige, wo das citta 3 Stadien durchläuft, bevor es letztendlich in das vollkommene samadhi gelangt. Im ersten Stadium kommt das citta, von einem sehr angenehmen Gefühl begleitet. ein wenig zur Ruhe. Im zweiten Stadium wird klar erkannt, dass die Ruhe und das angenehme Gefühl bedeutend zunehmen. Im dritten und letzten Stadium verschwindet der Körper: man ist sich des Körpers nicht mehr bewusst. Die Sinnesempfindungen hören auf zu arbeiten. Was übrig bleibt, ist reines Wissen, tiefgründig und wundersam jenseits aller Beschreibungen.