nicht zulassen, dass eine übrig bleibt, um ihm weiterhin Sorgen und Aufregung zu bereiten. Wem eine spezielle patipada74 aufgrund seines Temperaments entspricht, wird dementsprechend seine Trainingsmethode hartnäckig darauf ausrichten und dabei den überwältigten kilesas nicht die Möglichkeit geben, ihn zum Narren zu halten oder den Geist zu beherrschen. Gleichzeitig wird er danach streben, mit den restlichen kilesas so lange zu kämpfen, bis er den vollständigen Sieg über sie errungen hat.
Wer sich ernsthaft und freiwillig dem Dhamma hingibt, wird seine Praxis auf die spezielle, seinen Neigungen entsprechende Methode ausrichten und diese bevorzugen. So wird zum Beispiel jemand, dem das Fasten liegt, so lange konsequent und unerbittlich das Fasten in seine patipada einbeziehen, bis er am Ende des Weges angelangt ist, oder bis seine Körperkraft aufgrund des Alters abnimmt. Er kann dann entsprechend seinem Alter das Fasten eine Weile unterbrechen, um zu einer späteren Zeit wieder zu fasten und je nach den Umständen zwischen beiden zu wechseln.
Wenn man es vorzieht, viel cankama zu üben, wird man sich in dieser Körperstellung, die einem die besten Ergebnisse liefert, immer mehr bemühen als in den anderen, obgleich man möglicherweise zur Abwechslung auf bestimmte Körperstellungen zurückgreifen muss. Wem die Sitzmeditation mehr liegt als die anderen Stellungen, der wird diese vorrangig üben, obwohl auch er zur Abwechslung von Zeit zu Zeit seine Körperstellung ändern wird. Dasselbe gilt für die Meditation im Stehen und im Liegen. Es hängt vom jedem Einzelnen ab, welche Stellung er bevorzugt.
Auch die Trainingsorte entsprechen verschiedenen Charakteren. Einige werden motiviert und ermutigt von freien und weiten Gefilden am frühen Abend oder mitten in der Nacht, da wo die Luft leicht und klar ist. Einige andere lassen sich vom Training in Höhlen, auf Bergkuppen oder in lichten Wäldern, an Seen oder anderen Gewässern motivieren und ermutigen. Das variiert zwischen den Praktizierenden. Jedoch wird der Übende, der auf Selbstentwicklung aus ist, sein eigenes Temperament am besten kennen und sich deshalb immer in Stellungen und an Orten, die für ihn geeignet sind, trainieren. Diese sollten jedoch nicht in Widerspruch zu seiner Neigung stehen, die dies schon richtig ausgewählt hat.
Der Ehrwürdige Lehrmeister Mann lehrte alle seine Schüler jede Ebene des Dhamma und jede Art von Praxis, sei sie innerlich oder äußerlich, gründlich und in die Tiefe gehend, überzeugend und mit eindrucksvoller Begründung. Wer von ihm ausreichende Anweisungen erhalten und den Wunsch hatte, seine Bemühungen zu verstärken, bat um Erlaubnis, allein an einem einsamen Ort, seinem Temperament entsprechend, zu praktizieren. Bevorzugte jemand die Berge, suchte er diese auf. Man kann sich seinen Trainingsort seinem Wunsch entsprechend aussuchen, aber ein wichtiger Aspekt dabei ist die Nähe von Trinkwasser, ohne das man nicht leben kann. Es ist möglich, mehrere Tage auf das Essen zu verzichten, nicht aber auf das Wasser. Dazu gilt, dass Wasser, im Gegensatz zum Essen, nicht den Körper anregt und das Geistestraining behindert. Es ist deshalb nicht notwendig, auf Wasser zu verzichten, denn das würde nur unnötige Qualen hervorrufen, ganz abgesehen davon, dass Wasser für den Körper lebensnotwendig ist.
Deshalb sollte das Vorhandensein von Wasser ein entscheidender Aspekt sein, wenn man sich einen geeigneten Ort zum Praktizieren aussucht. Selbst, wenn man es von einer Quelle, die einen Kilometer entfernt ist, holen müsste, wäre das der Mühe wert und nicht allzu schwierig, es zu beschaffen. Was Almosengang betrifft, so ist es für einen einzelnen Dhutanga Kammatthana
73 Die Gemeinschaft der Edlen, im umfassenden Sinne die Gemeinschaft der Ordninierten 74 hier: Art von Praxis
Bhikkhu vollkommen ausreichend, wenn es eine Ansiedlung mit 4-5 oder 8-9 Häusern gibt. Das ist deshalb kein Problem, weil sich ein Dhutanga Kammatthana Bhikkhu normalerweise wenig Sorgen um das Essen macht, das er auf dem Almosengang sammelt. Er bescheidet sich mit dem, was auch immer er empfängt. Selbst, wenn dies ganz einfach nur Reis ohne jegliche Zugabe sein sollte und das tagelang, so gibt er sich damit zufrieden, denn er hat sich an beides, Hunger und Sättigung, schon gewöhnt.
Was hier geschrieben steht, mag prahlerisch klingen, obwohl es wahrheitsgemäß der täglichen Erfahrung des Kammatthana-Lebens entspricht, die der Autor selbst ausprobiert und an die er sich gewöhnt hat, deren er aber niemals überdrüssig wurde. Gelegentlich mag er sogar vor seinen Mitstreitern ganz ohne Scham auf sein Mangel-Leiden und seine Armut stolz sein, obwohl die ganze Welt dies anders sieht. Menschen in der Welt betrachten es nämlich als beschämend und widerwärtig, ihre Armut anderen zu offenbaren, nicht so ein Kammatthana Bhikkhu, der ganz offen damit prahlen wird, ohne jegliches Schamgefühl oder Angst, ausgelacht zu werden.
Der Grund, dies offen anzusprechen, ist, dass die Lebensweise des Kammatthana Bhikkhu von dürftigem Unterhalt geprägt ist, angefangen bei der ersten Generation der acariyas wie dem Ehrwürdigen Lehrmeister Mann, dem Begründer dieser Tradition. Deshalb tendieren auch seine Nachfolger in ihrer Praxis dahin, demselben Lebensmuster zu folgen, nämlich dem der Dürftigkeit und der Armseligkeit.
Man unterwirft sich freiwillig dem Hunger und Mangel, da dies dem Geistestraining förderlich ist. Die Praxis des Einzelnen entwickelt sich leichter, als wenn man normal essen würde. Der Körper und das citta sind nicht langsam und träge, was ein Zeichen für extreme Faulheit und das Fehlen von Motivation ist. An Tagen, an denen man, dem Kommando von tanha folgend, viel isst, werden das citta und die Augen nur ungern den Cankama-Weg ansehen und sich eher auf das Kopfkissen ausrichten. Wenn man ihm erlaubt, den ganzen Tag zu schlafen, dann fühlt es sich erst richtig wohl… Je mehr ich hier darüber schreibe, desto mehr würde dies als das wesentliche kammathana angepriesen werden, weshalb es besser ist, damit aufzuhören.
Denkt man wirklich darüber nach, dann sind die Herzen von Kammatthana Bhikkhus und die von normalen Menschen ziemlich ähnlich. Wird es ihnen erlaubt, ihren Begierden zu folgen, so werden sie sich ohne Ende alle möglichen Dinge ausdenken, und dies ohne Einschränkungen und Grenzen. Aber all dies sind wahrlich Höllenwelten, in denen sie sich Tag und Nacht unermüdlich vergnügen. Noch schlimmer, sie werden diese Höllenwelten als ihre Vergnügungsstätten ansehen, ohne jede Angst vor Yama75 . So sind die kilesas beschaffen, wenn sie die Herrschaft über das Herz besitzen.
Der Kammatthana Bhikkhu ersinnt viele Techniken, um seinen boshaften Geist zu disziplinieren. Er fastet, entzieht sich den Schlaf, lebt auf Bergeshöhen, in Höhlen, oder auf Felsvorsprüngen und hält den Geist, der sich ständig nur mit Gedanken und Vorstellungen befasst, in samadhi bhavana76 unter Kontrolle. Er bewerkstelligt dies mit jeder wirksamen Disziplin, die er ersinnen kann, sodass der Geist von Zeit zu Zeit seine Zügellosigkeit verliert und es ihm von einem Tag zum anderen ermöglicht, in Frieden zu leben. Die meisten der Mönche trainieren ihr citta auf diese Weise, solange sie es noch nicht unter Kontrolle gebracht haben. Dies gilt besonders für Mönche in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann.
Was den Bhikkhu betrifft, der sich aufmacht, um allein in Höhlen oder auf Bergkuppen zu trainieren, so tut er dies, um seinen Geist zu zähmen. Einige Nächte lang findet er keine Gelegenheit sich auszuruhen oder zu schlafen, da sein citta, das gerne abschweift, mit Hilfe des
75 Herrscher der Hölle, Herr über Leben und Tod. 76 ÜSamadhi-Meditation
Trainings von samadhi bhavana eingefangen und festgezurrt werden muss. Falls er sich auf einer Bergkuppe befindet, muss er sich ebenfalls solcher Dinge bedienen, die das citta fürchtet und die ihm dabei helfen es zu bezwingen, wie zum Beispiel Tiger. Diese Bestie ist in der Lage, das citta eines Kammatthana Bhikkhus effektiv zu plagen, denn sobald sein Brüllen von hinter dem Berg vernommen wird, duckt und beruhigt sich der Geist sofort, ohne weiteren Unfug anzustellen.
Manchmal, wenn dieser berüchtigte und allmächtige acariya ganz in der Nähe sein bedrohliches Gebrüll hervorstieß, wäre dem Bhikkhu fast der Atem eingefroren, jedoch war während dieser Zeit auch der einlullende Klang der kilesas, der ihn mit wilden Träumen und Vorstellungen zu verzaubern pflegte, wie weggeblasen. Was blieb, waren der Schreck, das Zittern und Beben. Manchmal schien es so, als würde der Atem aus nackter Angst zum Stillstand kommen. Die Luft war kalt, aber der Körper war vom Schreck erhitzt und von Schweiß durchnässt, für das störrische citta, das den Instruktionen des Dhamma nicht folgen wollte, eine wohlverdiente Strafe. Unter solchen Umständen pflegte dann das citta dem Erhabenen Buddha Glauben zu schenken und Zuflucht zu ihm zu nehmen. Es wollte nicht mehr an Tiger denken, denn je mehr es daran dächte, desto stärker würde seine Angst werden und es letztlich in die Bewusstlosigkeit treiben.
Wenn dieser Wahnsinn und die Angst vor dem Tod sich noch mehr verstärken, dann muss sich das citta ohne Unterlass „Buddho… Buddho… Buddho…“ zuwenden. Das Wiederholen von „Buddho“ über eine lange Zeit wird dazu führen, dass „Buddho“ und der Geist zu einer Einheit verschmelzen. Danach wird sich der Geist beruhigen und still werden und übrig bleibt nur ein einspitziger Zustand klaren Wissens. Alle Angst verschwindet vollständig und wird gleichzeitig durch Kühnheit und Mut ersetzt. Das citta fürchtet nun nichts mehr in den drei Welten. Während dieser Zeit wird dem citta seine eigene Narretei in der Angst vor Tigern klar und es erkennt zutiefst die Wirksamkeit und den Segen des Erhabenen Buddha, des Dhamma und des Sangha. Es ist standfest und stabil, dauerhaft ausgeglichen und, nicht von den arammanas hin-und hergerissen, vollkommen friedlich, glücklich und sehr beherzt. Das citta wurde einmal dem Feinde, dem Tiger, gegenüber richtig freundlich und hatte tatsächlich die Eingebung, sich auf den Rücken des Tigers zu setzen, ohne auch nur die geringste Befürchtung vor einer Verletzung durch den Tiger. Es schien, als ob der Geist wirklich gegenüber allen Kreaturen, die im Walde lebten, freundlich wurde, ohne jegliche Angst, dass eines der Tiere oder irgendein anderes geheimnisvolles Wesen ihm irgendetwas zu Leide tun könnte. Denn in Wahrheit wären diese wilden Bestien auch gar nicht dazu in der Lage, da jegliche Handlung vom Geist erzeugt werden muss und der mächtigere und gewaltigere Geist naturgemäß die Stärke und Willenskraft des Geistes anderer vermindern würde.
Während er in Wäldern und in den Bergen lebt, sieht sich der Praktizierende normalerweise nach Furcht einflößenden Stellen um, die seinen Anstrengungen dienlich sind. Wilde Tiere wie Tiger können ihm dann bei seinen Anstrengungen unheimlich hilfreich sein. Das ist der Grund, warum die Kammatthana Bhikkhus, obwohl sie Angst vor ihnen haben, die Tiger mögen, denn diese können ganz schnell Furcht in ihnen entstehen zu lassen. In dem Moment, wo man die Abdrücke ihrer Pratzen sieht, wird die Angst, die zuvor in einem Zustand des tiefen Schlafs verharrt hat, urplötzlich zum Leben erweckt. Dadurch ist man vor ihnen andauernd auf der Hut, einerlei welche Körperhaltung man innehat. Dieses Gefühl wird einen ständig heimsuchen und der Geist wird daher stets in einem Zustand der Bereitschaft sein.
Tatsächlich jedoch trainiert man sich, während man sich in diesem Zustand der Bereitschaft und Achtsamkeit befindet. Ist man nämlich voller Angst, dann muss sich der Geist als Gegenmaßnahme und als Zuflucht ganz spontan auf Dhamma ausrichten. Je länger man über Dhamma meditiert, desto mehr wird man die Kraft von sati-panna und einen jeglichen Aspekt seines Trainings unterstützen und entwickeln. Die sich daraus ergebende Ruhe entsteht in Abhängigkeit von der Intensität der Anstrengungen bis hin zu einem Punkt der vollkommenen Stille.

Sowohl die Liebe zu Tigern als auch die Angst vor ihnen wird daher zum Werkzeug, das den Praktizierenden, der das Wesen des Dhamma zu ergründen sucht, unterstützt und ermutigt. Dass dies überhaupt möglich ist, liegt jenseits von Glauben und Spekulation. Die Wahrheit über viele dieser Erfahrungen ist innerhalb des Kreises der Kammatthana Bhikkhus offenbar geworden, und zwar aufgrund ihres Mutes, sich vollkommen hinzugeben: Selbst wenn man daran sterben sollte, macht man sich in diesem Augenblick deswegen keine Sorgen. Befindet man sich in einer schwierigen Situation, ist in die Enge getrieben worden und kann sich auf nichts anderes mehr verlassen, dann muss man anfangen sich selbst zu helfen. Wenn sich der Geist in einer Notlage auf Dhamma, die natürliche und vollkommene Zuflucht, zurückzieht, wird er ganz sicher und ohne jeglichen Zweifel Ergebnisse erzielen, die man

 

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