42 Achtsamkeit, Gewahrsam 43 Konzentration, Stufen der geistigen Vertiefungen 44 Physische Beschaffenheit
Tumult der Welt – ideal für das Meditations-Training! Jene Berge sind Orte, die euch mit Freude am Dhamma erleuchten werden. Jene Höhlen und Klippen sind ausgezeichnet geeignet, um Frieden und Glückseligkeit im Geiste zu entwickeln. Und jener dichte Dschungel wird euch helfen, eure Faulheit und Furcht effektiv zu beseitigen! Jemand der träge und feige ist, sollte an solchem Orte leben! Er wird ihm zu Anstrengungen verhelfen und seine Furcht verschwinden lassen, sodass er mutig und tapfer werden und damit sein Herz um einige Bürden erleichtern kann.
„Auf diesem Berg, in jener Höhle, oder auf jener Klippe – da hat man eine ausgezeichnete und ideale Atmosphäre, um seine Meditation zu entwickeln. Das citta kann leicht in die Stille eintauchen. Wenn das citta still geworden ist, dann kann man viele ungewöhnliche und mysteriöse Dinge sehen, die jenseits unseres normalen Wahrnehmungsvermögens sind. Auf diesem Berg, in jener Höhle oder auf jener Klippe, da gibt es dies und das in dieser oder auch jener Art. Ist man an einem solchen Ort, dann sollte man, falls es dort niemanden und nichts anderes gibt, vorsichtig und nicht achtlos sein. Man sollte dann nicht annehmen, da man nichts sieht und hört, dass es dort nichts anderes gäbe! Denn es gibt eine Menge mysteriöser Dinge und ihre Zahl ist bei weitem größer als die Zahl all der materiellen Dinge, die es in der Welt gibt. Jedoch diese wahrzunehmen, übersteigt die Fähigkeit eines normalen citta und nur unsere mangelhafte Wahrnehmungsfähigkeit verhindert, dass sich uns diese Dinge so offenbaren wie alles andere in der Welt.“
„Der Praktizierende sollte in jeder Lage Zurückhaltung üben und sollte zumindest ruhig und friedfertig sein. Wenn seine Tugendhaftigkeit größer ist, dann ist dies ein Grund, von all den verschiedenartigen himmlischen Wesen, die in der Umgebung und anderswo leben, respektiert und bewundert zu werden, denn die Welt ist niemals unbewohnt von gröberen oder auch feineren himmlischen Wesen. Selbst menschliche und tierische Körper werden von den verschiedensten Arten von lebenden Organismen bewohnt. Wer sich auf das »Stadium der Freiheit« hin unter all den sabhava dhammas45 der drei Welten trainiert, sollte die Existenz oder Nichtexistenz von Dingen, die seine persönliche Erfahrung übersteigen, weder bestätigen noch verneinen, da wir uns nicht einmal der grob-und feinmateriellen Stoffe, die uns umgeben, vollkommen bewusst sind. Manchmal mögen wir mit einigen von ihnen in Berührung kommen, und indem wir falsch mit ihnen umgehen, vernichten wir sie. Falls man achtlos über irgendetwas auf seinem Weg stolpert, geschieht dies aufgrund der Annahme, dass sich da nichts befindet. Das ist die normale Angewohnheit eines Menschen, der unter Hochmut leidet. Wie kann es möglich sein, dass man die Existenz dieses Gegenstandes leugnet, wenn man ihn schon zertreten hat? Die Erfahrung alleine möge genügen, uns unsere Achtlosigkeit zu beweisen – natürlich nur, wenn wir daran interessiert sind, dies herauszufinden. Ist man indes nicht daran interessiert, seine Angewohnheiten zu untersuchen, und lässt diese chronisch werden, dann wird es einem nicht möglich sein, die Wahrheit der Welt und des Dhamma, die uns überall umgibt, zu erkennen.
„Auf diesem Berg, in jener Höhle, und auf jener Klippe, wo ich zu leben und mich zu trainieren pflegte, gibt es geeignete Stellen, frei von Sorgen und allen möglichen Verwicklungen. Wenn euch wirklich etwas am »Land der Freiheit von dukkha« liegt, dann solltet ihr jene Orte für eure Entwicklung aufsuchen und eurer Leben den verschiedenen dhammas anvertrauen. Das ist gleichbedeutend mit dem Sasada an eurer Seite, ganz für euch alleine und in allen Lagen! Ihr werdet, ob ihr nun wacht oder schlaft, glücklich sein. Die Anstrengungen des Geistes werden ständig voranschreiten und nicht so langsam, als wenn ihr euch an überfüllten Lokalitäten und an Plätzen voller Verwirrungen aufhaltet. Der Lord Buddha und all die Savaka Arahants46 setzten an jenen Orten ihr Leben um des Dhamma willen aufs Spiel. Nur wer den Schaden der kilesas, tanha, ãsava47 und samsara vatta, nicht erkennt, zieht ziellos herum und reserviert sich Grabstätten auf dem Friedhof von Geburt und Tod und ist nicht beeindruckt von jenen Orten, von denen der Lord
45 Phänomene, Naturbedinungen 46 Diejenigen, die unter der Anleitung des Erhabenen Buddha Arahants geworden sind. 47 Ausflüsse, Ergüsse
Buddha und seine Arahants entzückt waren.
„Schaut euch nur diese wilden und dichten Wälder an! Ihr solltet dorthin gehen und bei den Berg-und Waldvölkern leben. Das sind die Orte, die alle eure Anstrengungen, den Strom von vatta im Geiste abzuwürgen und in jeder neuen Runde kleiner und kleiner werden zu lassen, hoch verzinsen. Wer es leid ist, in den verschiedensten Formen der Existenz immer wieder geboren zu werden und immer wieder zu sterben, unterscheidet sich klar von anderen, von normalen Menschen. Ebenso unterscheiden sich Anstrengungen an geeigneten Orten gewaltig von ganz gewöhnlichen Anstrengungen. Die durch eine cankama48 oder die samãdhi bhavana49 erzielten Ergebnisse werden sich, wenn man sie an einem ungeeigneten statt einem geeigneten Ort ausübt, gewaltig voneinander unterscheiden, und zwar allein aufgrund von Unterschieden in Bezug auf Aufmerksamkeit, Stetigkeit von sati-panna50 und Reaktion auf die Umgebung. Die Ergebnisse, die sich aus einer stetigen -statt einer ständig unterbrochenen -Anstrengung ergeben, müssen sich deshalb zwangsläufig unterscheiden!“
„Der Praktizierende, der wahrhaftig den Sasada als sein saranam51 nimmt, sollte dabei mehr an das dargelegte Dhamma denken als an all die verschiedenen Arten von Mühsalen mit der Angst vor dem Tod als Hauptschuldigem. Zum Beispiel die Härten, die einem aus Mangel an den lebensnotwendigen Dingen – den vier Bedarfsgegenständen eines Mönches – erwachsen (z.B. das Essen vom Almosengang); die Mühsale, die einem aus dem Streben bei der Zähmung des citta, das schon immer wild und rücksichtlos war, entstehen; die Plagen, die aufkommen, wenn man während einer langen Zeit cankama geht oder in bhavana52 sitzt und dadurch dukkha vedana53 erzeugt wird, der sowohl den Körper als auch den Geist quält; die durch den unnachgiebigen Widerstand des citta, sich dem erwünschten Disziplin-Rahmen zu beugen, entstehenden Qualen; die Mühsale, die sich einstellen durch Hunger und Erschöpfung aufgrund von ungenügender Ernährung als Folge davon, dass man nur sehr wenig Nahrung zu sich nimmt oder viele Tage lang fastet, um die Anstrengung des Geistes zu unterstützen (falls dies dem Charakter entspricht); das Elend, das aufkommt durch die Abgeschiedenheit und Einsamkeit, ohne Freunde und Acariya54, der einen unterrichtet und mit dem man Erfahrungen austauschen kann; die Nöte, die durch Heimweh, Gedanken an Freunde und Verwandte entstehen, die einem Wärme und Wohlbefinden für Körper und Geist gaben; die Unannehmlichkeiten, die man hat, wenn man vom Regen durchnässt und ohne Unterschlupf ist; die Mühsal, die sich durch Kälte und Schmerzen, hervorgerufen durch die verschiedensten Dinge, einstellt. Qualen, die von Fieber, Leiden und Schmerzen der einzelnen Körperorgane herrühren und für die man keine Medizin hat; die Pein, die entsteht durch Todesangst, während man alleine im Dschungel ist ohne jemanden, der einem helfen oder einen beschützen und ohne jemanden, der nach dem Tod den Körper beerdigen könnte – stattdessen nur Aasgeier, Krähen, Hunde und Flöhe, die gierig die Überbleibsel des Leichnams verschlingen: All diese Gedanken von Mühsal und Plagen hindern einen, bei der Verwirklichung von nibbana voranzukommen! Lasst sie nicht eurer Herz in Aufruhr versetzen. Das wird euren Ruin bedeuten. Ihr werdet nicht mehr in der Lage sein, diesen Weg weiter zu beschreiten!“
„Diese Gedanken sind die Quelle von samudaya55, der Schlüssel, der dem dukkha das Tor öffnet; sie werden eurer Herz verzehren, bis es keinen Ausweg mehr zu finden vermag. Der Praktizierende muss Courage haben und muss strapazierfähig sein! Er muss Hunger, Sonne und Regen und all die verschiedenen Arten von Mühsalen und dukkha ertragen können, die in Geist und
48 Gehmeditation 49 Sitzmeditation 50 Achtsamkeit und Weisheit 51 Zuflucht 52 Meditation 53 Schmerzgefühl 54 Lehrer 55 wörtlich Ursprung, Ursprung alles Seins (der drei Weltsysteme)
Körper entstehen. Er muss die stechenden Schmerzen und den Todeskampf, mit dem er innerlich und äußerlich in Berührung kommt und von denen die ganze Welt weiß, dass sie jedem ohne Ausnahme widerfahren, aushalten und ertragen.
Der Praktizierende muss seinen Geist daraufhin trainieren, unerschütterlich und stark zu werden, sodass er dem Sturm, der normalerweise im Geiste entsteht, trotzen kann, jenem Sturm, der ständig bereit ist, einen zerstörerischen Ausbruch zu entfesseln, der sich auf den unermüdlichen Einsatz des Praktizierenden richtet, ihn zunichte macht und ihn quasi in einen Schwächling verwandelt. Dadurch werden dann die eigene Standfestigkeit, Ausdauer und die unnachgiebigen Qualitäten Schritt für Schritt abgebaut. Zum Schluss wird man wieder vom dukkha überschwemmt werden, so wie schon seit eh und je. Mit jedem vorbeiziehenden Tag wird man sich weiter vom Sasada entfernen. Das »Buddham saranam gacchami56« wird zum Lippenbekenntnis, wie es auch ein Kind nachplappern kann. Das Wesentliche des »Buddham« wird sich zum größten Teil aus dem Herz verflüchtigen.
„Dies ist die Beschreibung eines Verlierers, der vollständig von den kilesas und Mara57 überwältigt wurde – er ist unfähig, seiner eigenen bösen Gedanken Herr zu werden. Das ist der Verlierer der khandha Mara58 – d.h. man erlaubt dem den sankharas59 entstammenden dukkha, einen zu verzehren und zu verbrennen und man ist unfähig, sich mit Hilfe von sati-panna, das einen verlässlich aus der Hölle erretten könnte, einen Fluchtweg zu bahnen. Es gibt keine anderen Feinde in den drei Welten, die so gewitzt und geheimnisvoll sind wie die Feinde im eigenen Herzen – die kilesas und tanha. Sie sind tödlich für die Schwachen, Faulen und Achtlosen, diejenigen, die allzu bereit sind, sich allem zu unterwerfen, womit sie in Berührung kommen, ohne jemals Mittel und Wege zu suchen, um mit ihnen fertig zu werden. Diese Menschen sind die Lieblinge der kilesas und Maras. Ein jeder, der ihr Liebling sein will, sollte sich immer mehr von dieser Art Schwäche, Faulheit, und Achtlosigkeit aneignen. Man wird dann zu ihrem Lieblingsdiener werden, der niemals eine Chance erhält, sich zu erheben und das Licht des Dhamma, das Mittel, das einen von dukkha befreien kann, zu erblicken.“
„In jeder Form der Existenz wird man sein Herz – seinen wertvollsten Schatz – eher den allmächtigen kilesas als Weihgabe anbieten, als dem Dhamma in seinem Herzen. Es ist sehr traurig mitanzusehen, wie sich ein Bhikkhu, der die Qualitäten eines Praktizierenden in sich trägt, solch bösen Kräften unterwirft, ohne sein sati-panna anzuwenden, um sich über sie zu erheben und um im Frieden des Dhamma zu verweilen, nämlich mit seiner Almosenschale und seinem klod60 über Berge und durch Wälder zu ziehen und sich in bhavana zu üben, wie es seines moralischen Formats und seines genügsamen Lebenswandels würdig wäre. Falls so etwas bei den Praktizierenden, die hierher zu Unterweisungen kommen, der Fall sein sollte, wird der Lehrer unweigerlich tot zu Boden fallen, noch bevor sie es tun!“
Es ist kaum möglich, der Lehrfähigkeit des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann – des Heiligen dieser Generation – gleichzukommen. Es ist auch bedauerlich, dass der Autor, der beides, »die Biographie des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann« und »die Patipada der Dhuthanga Kammatthana Bhikkhus seiner Tradition«, verfasste, weder über ein klares Erinnerungsvermögen noch über die Weisheit verfügt, die der des Ehrwürdigen Lehrmeisters ebenbürtig wäre, um das Wesen der Dhamma-Lehre des Ehrwürdigen Lehrmeisters ausloten und sie von ihrer besten Seite darstellen zu können -würdig des Ehrwürdigen Lehrmeisters von der Statur eines Bhikkhus, der das »vollendete
56 Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha 57 Versuchung, das Böse oder Herrscher der Hölle
58
Versuchungen der khanda, khandha sind die fünf Gruppen des Anhaftens 59 Gedankenformationen 60 Grosser Regenschirm, unter dem man sitzt oder schlafen kann. Normalerweise wird ein Moskitonetz darüber
gespannt.
Dhamma« verkörperte. Dies ist jedoch die Meinung des Autors, und er bittet um Verzeihung, sollte es der Wahrheit nicht entsprechen.

In seinen Unterweisungen an die Mönche betonte der Ehrwürdige Lehrmeister immer die Einhaltung der dhutangas, vor allem derer, die das Leben an einsamen Orten, wie in Wäldern, auf Bergen, in Höhlen oder auf Felsvorsprüngen vorschreiben. Fast jedes Mal, wenn er Unterweisungen gab, betonte er