Kapitel 1
Die Praxis des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann
Der Begriff kammatthana1 ist ein besonderes Wort und ein besonderer Aspekt des Dhamma2, der im Kreis der Dhutanga3 Bhikkhus4 praktiziert wird. Aber die wahre Grundlage des kammatthana existiert in jedermann -in Männern, Frauen, Ordinierten und Laien -, da sie sich zum Beispiel auf solche Dinge wie kesa5 und loma6 bezieht. Einige Leser verstehen möglicherweise nicht, was mit den Begriffen kammatthana oder Dhutanga Kammatthana Bhikkhus gemeint ist, aber ihre Erörterung wird hier nur im Rahmen der Praxis von Dhutanga Kammatthana Bhikkhus in der Tradition des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann behandelt werden. Mit anderen Arten der Praxis ist der Autor nicht vertraut, abgesehen von dem, was er beiläufig davon erfahren hat. Er hatte nie die Gelegenheit, mit ihnen vertraut zu werden. Wenn es jedoch um die Unterweisungen des Ehrwürdigen Lehrmeisters Mann geht, so hat der Autor einiges Wissen durch Beobachten, Zuhören und durch eigene Praxis erlangt. Bevor ich aber darauf genauer eingehe, werde ich den Begriff kammatthana als das Fundament der Praxis erklären, damit er als Leitfaden für die anschließend zu bringenden Berichte dient.
Der unter Buddhisten seit langem wohl bekannte Begriff bedeutet üblicherweise „Das Fundament der Arbeit“. »Arbeit« ist hier von besonderer Bedeutung und unterscheidet sich deutlich von dem, was die Welt unter Arbeit versteht. Mit Arbeit ist hier gemeint, die Existenzen, die kilesas7 , tanha8 und avijja9aus unseren Herzen auszurotten, und zwar, um uns weit von dukkha10 zu entfernen, das uns in Geburt, Alter, Schmerz und Tod immer wieder begegnet und das die Kette ist, die uns an den samsara vatta11 bindet. Diese Kette zu zerstören und uns von dukkha zu befreien, ist für alle Wesen schwierig. Das Ergebnis der praktischen Durchführung dieser Art von Arbeit, selbst bevor man das Ziel erreicht hat, ist Glückseligkeit in diesem und in den nächsten Leben. Deshalb wird ein Bhikkhu, der daran interessiert ist, diese Art von Dhamma zu praktizieren, immer als Dhutanga Kammatthana Bhikkhu bezeichnet, ein Ehrentitel, der denen, die an dieser Art von Praxis interessiert sind, von Mitbuddhisten anerkennend verliehen wird.
Eine Form des kammatthana, die seit der Zeit des Buddha als fester Bestandteil von dem upajjhaya12 bei der Ordination gelehrt wird, besteht aus den folgenden fünf Objekten: kesa, loma, nakha13, danta14 und taco15 . Diese werden dem gerade Ordinierten in dieser und ebenfalls in
1 Das Fundament des geistigen Trainings 2 üblicherweise die Lehre des Erhabenen Buddha 3 Asketische üÜbung 4 Mönch
5
Haupthaar
6
Körperhaar 7 Die Schergen von avijja, das Unheilsame in all seinen Formen 8 Anhaftungen 9 Geistige Blindheit, Unwissenheit, Verblendung10 von geistiger Unruhe, Unzufriedenheit bis hin zum grössten Leid
11
Kreislauf der ewigen Wiedergeburten 12 Mönchsvater 13 Finger-und Fußnägel 14 Zähne
umgekehrter Reihenfolge ans Herz gelegt, sodass der junge Ordinierte diese Objekte immer wieder und so lange untersucht, bis er eines oder alle fünf vollständig verstanden und durchschaut hat. Diese fünf Objekte sind sehr wichtige Teile des Körpers aller Männer und Frauen.
Es gibt jedoch viele arammana16des citta17, die als kammatthana verwendet werden können. Nach den buddhistischen Texten, die bei Interesse zu Rate gezogen werden können, gibt es vierzig dieser Objekte. Die Vielzahl verschiedener kammatthana-Objekte soll dem an der Praxis Interessierten die Möglichkeit geben, sich entsprechend seinem Charakter eines oder auch mehrere auszusuchen, denn Menschen unterscheiden sich in ihren Charakteren, ähnlich wie Krankheiten, die in den verschiedensten Formen vorkommen. Ebenso unterschiedlich sind die Medikamente, die sich zu ihrer Behandlung eignen.
Die Übung besteht nun darin, dass man sich eines dieser Objekte vornimmt und dessen Namen in einer einem förderlichen und angemessen Körperposition ständig im Geiste als parikamma bhavana18 wiederholt. So zum Beispiel: kesa … kesa… kesa… kesa… kesa… kesa…; oder loma… loma… loma… loma… loma… loma; dazu ist Achtsamkeit erforderlich, um eine ständige Kontrolle aufrechtzuerhalten und den Geist nicht zu anderen Objekten abschweifen zu lassen. Dabei sollte man sich des speziellen Dhamma Objekts, dessen Namen man wiederholt, bewusst sein und es nicht häufig wechseln, denn dies wäre ein Zeichen von Unentschlossenheit. Man sollte nun so lange mit diesem Objekt trainieren, bis man entweder sein Ergebnis wahrhaftig erfährt, oder wirklich weiß, dass dieses Objekt dem eigenen Charakter nicht entspricht, bevor man sich einem neuen Objekt zuwendet.
Wer wirklich weiß, dass ein bestimmtes Objekt seinem Charakter entspricht, sollte dieses als Anker für seinen Geist benutzen und unermüdlich in seinen Anstrengungen fortfahren, bis er Stück um Stück Ergebnisse erfährt und dann auf eine Ebene des Dhamma gelangt, wo es für ihn notwendig wird, das Dhamma-Objekt zu wechseln. Der Übende muss dies selbst wissen. Das Ergebnis, das durch das Training mit diesem oder anderen, dem eigenen Charakter entsprechenden Dhamma-Objekten entsteht, führt zu zunehmender Glückseligkeit und Ruhe im Geiste. Für jemanden, der dies noch nie erlebt hat, hält die Ruhe, zuerst auf der untersten Stufe beginnend, einen kurzen Augenblick an und verlängert sich dann zunehmend. entsprechend seinem Charakter. Schließlich hält die Ruhe so lange an, wie man sich dies wünscht. Die Ruhe der verschiedenen Stufen ist auch unterschiedlich subtil.
Ist das citta ruhig, so kann es auch die Objekte fallen lassen, die es schon immer auf die verschiedenste Art geplagt haben, und übrig bleiben nur noch „ungetrübtes Wissen“ und „leuchtende Klarheit“. Dies sind die dem Geiste zu Grunde liegenden Qualitäten, vereint mit der Glückseligkeit, die entsprechend jeder Stufe der Ruhe entsteht. Dann gibt es auch keinen Zwiespalt mehr, da das citta ohne ein arammana ist. Es ist ganz mit sich eins und, falls noch subtile kilesas in ihm vorhanden sein sollten, so zeigen sich diese nicht. Dies ist vergleichbar mit stillem und klarem Wasser, in dem sich der übrig gebliebene Schmutz am Grund abgesetzt hat und das man dann zum Trinken oder zu anderen Zwecken verwenden kann.
Je länger der Geist ohne arammana verweilt, friedvoll in sich selbst, desto mehr Glückseligkeit und Wundersames entstehen. Dies zeigt einem, wie wichtig und wertvoll der Geist wirklich ist. Beides, das Wundersame und das Wertvolle, kann man niemals wieder vergessen, weil die Natur des Geistes geheimnisvoll und wundervoll ist. Ist der Geist gereinigt, und sei es auch nur für einen Augenblick, dann wird er sein Wunder offenbaren. Lässt man zu, dass dieser Zustand des
15 Körperhaut 16 Gefühlsreaktionen, Objekte 17 Das Wesen des Geistes 18 vorbereitende Übung der Meditation
citta aufgrund von Nachlässigkeit verkommt, indem man seine Praxis nicht aufrecht erhält oder sie nicht weiterentwickelt, kann dies ein großer Verlust sein und zu großer Enttäuschung führen, da man sich von ganzem Herzen nach dieser wundervollen Erfahrung sehnt. Wahrscheinlich aus diesem Grunde gab es zu Lebzeiten des Buddha einen Savaka19, der sein Herz sechsmal reinigte und wieder verkommen ließ, ein Verlust, der ihm große Enttäuschung bereitete. Aber letztendlich gelang es ihm dann, die Stufe der Erleuchtung zu verwirklichen und ein Arahant20 zu werden. Dies war nur seinem Fleiß und seinen unermüdlichen Anstrengungen zuzuschreiben, die für ihn als Brücke wirkten und es ihm ermöglichten, das amata21 Dhamma zu durchdringen und mit Kammatthana Dhamma als Transportmittel das Land der Glückseligkeit zu erreichen.
All die unzähligen Buddhas und Arahants verwirklichten die Erleuchtung mit Hilfe der verschiedenen kammatthana, wobei sie sich die fünf kammatthana zum Beispiel nahmen. Es gab keinen einzigen unter ihnen, der ohne kammatthana das Dhamma durchdrang. Es ist wahr, wenn es heißt, dass das kammatthana der Mutterschoß der Unübertroffenen Erleuchteten ist. Sie alle mussten sich verlassen auf das kammatthana als Reinigungsmittel, als das Hilfsmittel zur vollständigen Ausrottung und Vertilgung aller Arten von Ansichten und Ideen, der fundamentalen Bestandteile eines citta, das noch unter den Einfluss von vatta22 fällt, bevor sie sich von einem puthujjana23 in einen Ariya24 verwandeln und ihre Herzen rein machen konnten. Deswegen schätzen all die Buddhas das kammatthana hoch und halten es für ein wichtiges und notwendiges dhamma25 und preisen es im Bereich der Religion.
Auch der Erhabene Buddha Gotama schätzte das kammatthana so hoch ein, dass es fester Bestandteil der Tradition wurde. Seine Verwirklichung als ein Buddha war nur mit Hilfe der 40 kammatthana, beginnend mit anapanasati26, möglich. Das ist bis zum heutigen Tage Teil der Lehre des Buddha für seine Anhänger. Es ist die Brücke, die Weltlinge, soweit es in deren Möglichkeiten liegt, mit Nibbana27 verbindet.
Darum war der Begriff kammatthana schon immer eine ganz besondere Form des Dhamma im Bereich der sasana28 und wird es auch immer bleiben. Ein Anhänger der buddhistischen Religion, der noch nicht den Weg des kammatthana kultiviert und trainiert hat, mag er auch um das verborgene Geheimnis in sich, sowohl um das Gute als auch um das Böse, wissen, sollte nicht annehmen, dass er reich an Wissen oder Klugheit sei. Selbst wenn man die Ti-Pitaka29 in-und auswendig kennt, ist dies lediglich eine Auflistung des Guten und Bösen der menschlichen Natur. Sie wurde jedoch noch nicht von der Praxis mit kammatthana als ihrem Führer, der einen zur Wahrheit bringt, bestätigt, wie es des Erhabene Buddha wünschte, der der Welt dieses dhamma lehrte.
Diese vierzig kammatthana Objekte sind wirklich die Basis der Ti-Pitaka, die Mittel für die Zerstörung von Existenzen und Geburten, das Werkzeug zur vollkommenen Auslöschung des cakka30, das die weltlichen Wesen im Kreislauf der Wiedergeburten herumwirbelt. Jedwede Art von Training, die nicht von diesen dhammas getragen wird, ist ganz sicher nicht für die