Asalha Bucha und Khao Pansa ist einer der wichtigsten Tage in der Geschichte des Buddhismusses. Asalhabucha ist die Rede vom Rad der Lehre, deren Titel in Pali "Dhammacakkapavattana Sutta"
(die Rede durch die das Dhammarad in Bewegung gesetzt wurde) lautet, ist die erste Lehrrede, die der Buddha nach seiner Erleuchtung (Visakha Bucha) gehalten hat.

Sie ist an die Gruppe der fünf Wandermönche gerichtet, mit denen er der Überlieferung gemäß vor seiner Erleuchtung zusammengelebt hatte. Mit ihnen hatte er sich extremen, lebensgefährlichen asketischen Übungen hingegeben und schließlich erkannt, daß dies nicht der Weg zur Erkenntnis ist. Als er dann die extreme Askese gemäßigt hatte, indem er Nahrungsspenden annahm, hatten sie sich von ihm abgewandt. Am selben Abend wurde er von der vollkommenen Wahrheit erleuchtet.

Aufgrund seiner übernatürlichen Fähigkeiten hatte der Erhabene nach seiner Erleuchtung erfaßt, daß diese fünf Asketen fähig waren, die von ihm erkannten Wahrheiten aufzunehmen und zu verstehen. Deshalb suchte er sie im Tierpark in der Nähe des Viertels der Seher bei Varanasi, dem heutigen Benares auf. Diese Rede hielt er anläßlich der ersten Begegnung nach dem Bruch zwischen ihnen und dem Erhabenen.

Die Rede faßte die gesamten späteren buddhistischen Lehren in vier Sätze über die vier Edlen Wahrheiten zusammen:

- Die Wahrheit vom Leiden (Dukka)
- Die Wahrheit von der Ursache des Leidens (Samudaya)
- Die Wahrheit vom Ende des Leidens (Nirodha)
- Die Wahrheit vom Pfad zum Ende des Leidens (Magga)

Die Lehren des Buddha werden auch Dhamma genannt, was soviel wie Gesetz oder Wahrheit bedeutet. Die im Folgenden dargelegten Ansichten bilden die ursprünglichen Grundlagen der Buddhistischen Philosophie und Psychologie. Des weiteren besteht sie aus der deutlichen Versicherung des Buddha, daß er die Wahrheiten voll und ganz erkannt hat, was bedeutet, daß er die Erleuchtung verwirklicht hat. Er erklärte also, daß er ein Buddha geworden ist.

Die ersten beiden Wahrheiten stellen eine Problemanalyse des Leidens in der Welt dar. Die erste Edle Wahrheit bildet die Beschreibung des Ist-Zustandes, der durch das Leiden in vielfältiger Form gekennzeichnet ist. Die zweite Edle Wahrheit enthält die Bedingungen und Ursachen für dies unbefriedigende Ist-Situation. Die dritte und vierte Wahrheit präsentieren die Problemlösungen. Die dritte Wahrheit beschreibt den angestrebten Soll-Zustand in dem es kein Leiden mehr gibt. Die vierte Wahrheit enthält die Ursachen und Bedingungen, die für die Verwirklichung des Soll-Zustandes geschaffen werden müssen, also den Weg vom Ist- zum Soll-Zustand.

Der Buddha erklärt im Anschluß, daß er diese vier Wahrheiten in jeder Hinsicht vollkommen verstanden und durchdrungen hat. Die Fähigkeit des Erkannthabens (Annatavindriya) entsteht im Moment der Erleuchtung und nur in diesem. Er versicherte also den Asketen, daß er gerade nach der Mäßigung der Askese, was den Grund für die Kritik seiner Gefährten bildete, das Ziel, für das sie alle in die Hauslosigkeit gezogen waren, erreicht hatte.

Die Wurzel des Wortes "Buddha" weist vom Ursprung her keinen Zusammenhang mit Licht oder Leuchten auf, sondern seine Bedeutung liegt in dem Begriffsfeld "Wissen, Erkennen, Erwachen". Das Wort Buddha bedeutet dann "Der erkannt hat" Der Erleuchtete bedeutet "Der vom Licht des Wissens erhellte". Da er aber erkannt hat und von der Erkenntnis durchdrungen wurde, bietet sich das Wort "Erleuchteter" als passende Übersetzung für den Begriff "Buddha" an. Die Wendung "mit Erleuchtung erleuchtet" hebt die Gegensätze von Passiv und aktiv, von Subjekt und Objekt auf. Die grammatische Konstruktion spiegelt auf diese Weise die Erleuchtung wieder.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß der Buddha wie die überlieferte Lebensgeschichte zeigt, die Wahrheiten vom Leiden, von der Ursache des Leidens und vom Ende des Leidens im wesentlichen bereits vor der vollkommenen Erleuchtung verstanden hatte. Seine grundlegende neue Entdeckung ist der Weg zum Ende des Leidens, der Edle Achtfache Pfad.

Der Edle Achtfache Pfad (Attahingika magga) hat drei Abteilungen: Weisheit (Panna-1-2), Sittlichkeit (Sila-3-4-5) und die Sammlung (Samadhi-6-7-8). Die acht Faktoren sind:

- Rechte Ansicht (Samma ditthi)
- Rechte Gesinnung (Samma sankappa)
- Rechte Rede (Samma Vaca)
- Rechtes handeln (Samma kammanta)
- Rechter Lebensunterhalt (Samma ajiva)
- Rechte Anstrengung (Samma vayama)
- Rechte Achtsamkeit (Samma sati)
- Rechte Sammlung (Samma samadhi)

Dies ist ein mittlerer Weg, der die Extreme der Sinnensvergnügungen einerseits und die Selbstgeißelung andererseits vermeidet. In den fünf Sinnen und den Sinnesfreuden Erfüllung und Befriedigung zu suchen ist sinnlos, weil das begehren danach unersättlich ist. Das Leid, das später den oberflächlichen Freuden folgt, ist größer als diese Freuden. Selbstgeißelung wie sie von einigen Asketen praktiziert wird, die übertrieben fasten, kratzende Kleidung benutzen, sich selbst schlagen u.ä. ist schmerzhaft und führt nicht zur Befreiung.

Befreiung von der Unwissenheit ist wahre Emanzipation und braucht Zeit. Mit dem Fortschritt auf dem Edlen Achtfachen Pfad verringern sich Schritt für Schritt die psychischen Leiden und die Last der Unwissenheit. Hat man einmal die heilsame Richtung eingeschlagen, kann man schon bald die ersten Ergebnisse der heilsamen Richtung erkennen. Das Dhamma, die wahre Lehre ist wunderbar am Anfang, wunderbar in der Mitte und wunderbar am Ende. Der Achtfache Edle Pfad beginnt mit Weisheit und endet mit Weisheit auf einem höheren Niveau. Er beginnt mit Weisheit, weil ein gewisser Grad an Einsicht notwendig ist, um sich diesem Weg überhaupt zuzuwenden und ihn einzuschlagen. Und er führt zur Weisheit und endet mit der Weisheit, weil vollkommende Weisheit die Befreiung ist.

Die acht Faktoren dieses Pfades sind genau erklärt und bilden die Grundwerte der Buddhistischen Philosophie. Welche Ansichten recht und welche Ansichten falsch sind, welche Gesinnung recht und welche falsch ist und so weiter, kann im Hinblick auf das Ziel der Befreiung vom Leiden unterschieden werden. Das Ziel aller Buddhistischen Lehren ist das Kriterium für die Unterscheidung zwischen richtig und falsch. Fähigkeiten und Gedanken, die zur Erreichung dieses Ziels geeignet sind, sind wertvoll. Eigenschaften und Gedanken, die dieses Ziel behindern sind schädlich.

Er hebt in dieser rede ferner hervor, daß er von diesen Wahrheiten vorher nichts gehört hatte. Darin liegt der Unterschied zwischen einem Buddha und einem Arahant, was sich am besten durch einen Vergleich veranschaulichen läßt. Der Buddha ist wie jemand, der ein Rad erfindet und baut. Seine Schüler die Arahant sind wie Personen, die ein Rad bauen, nachdem der Erfinder ihnen erklärt hat, was ein rad ist und wie man es baut.

Seine fünf Zuhörer gelangen aufgrund dieser Rede nicht zur Erleuchtung. Erst nach der folgenden Lehrrede über das Daseinsmerkmal des Nicht-Ichs gelangen sie zur Befreiung des Herzens. Der Wandermönch Kondanna erlebt während der Rede den Stromeintritt durch eine Erkenntnis, die der Buddha nicht direkt durch seine Worte vermittelt hat: "Welche Gebilde es auch geben mag, es sind alles Gebilde die vergehen."