4. Die Daseinsmerkmale (Tilakkhana)

Eng mit den 4 edlen Wahrheiten ist die Betrachtung der Daseinsmerkmale verbunden: alle Gestaltungen (Phänomena, die andere Phänomena bestimmen) sind vergänglich (Anicca), alle Gestaltung sind Leiden (Dukkha), alle Phänomena sind nicht Selbst (Anatta). Die Vergänglichkeit (Anicca) reicht von komischen Dimensionen, der zyklischen Expansion und Kontraktion des Universums, über die mittlere Ebene, den Zyklus von Geburt und Tod, bis hinab zum Mikrokosmos körperlicher und geistiger Zustände, die nach kurzer Verweildauer vergehen, kaum dass sie entstanden sind.

Um Befreiung von Leiden ( Dukkha ) zu erlangen gilt es, diese Daseinsmerkmale in der eigenen Erlebenswelt zu erkennen. Diese eigene Welt kann mit Hilfe verschiedener Systematiken analysiert werden, zum Beispiel in der Begrifflichkeit der fünf Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird (Form, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen, Bewusstsein), in der Begrifflichkeit der sechs Sinnesgrundlagen, der sechs Elemente usw….. Ziel der Übung ist es, die Anhaftung an die genannten Dinge durch Entfaltung von Einsicht und Weisheit zu überwinden.

“Nicht Selbst“ ( Anatta ) ist die Aussage, in der sich die Lehre des Buddhas von allen anderen religiösen Systemen grundlegend unterscheidet. Sie besagt, dass nirgendwo in den fünf Daseinsgruppen, den sechs Sinnesgrundlagen, den sechs Elemente usw. und nirgendwo außerhalb dieser Dinge eine unveränderliche, ewige, aus sich selbst heraus existierende, von Gestaltungen unabhängige Essenz zu finden ist. Das was andere Religionen als Seele bezeichnen und machmal zu finden suchen, bezeichnet der Buddha als Illusion. Das darf auf der anderen Seite nicht als Nihilismus missverstanden werden, da eine individuelle Existenz nicht abgestritten wird, aber eine “Persönlichkeit“ hinter all den vergänglichen körperlichen und geistigen Prozessen zu fühlen, zu wollen und postulieren, das ist ein Ausdruck der zugrunde liegenden Unwissenheit, die eng mit Leiden ( Dukkha ) verbunden ist.