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«Ferner aber, o Herr, ist das unübertrefflich, wie der Erhabene die Lehre darlegt bei der erinnernden Erkenntnis früherer Daseinsformen. Da kann, o Herr, irgendein Asket oder Priester in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Übung, in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung erringen, wo er innig im Herzen an manche verschiedene frühere Daseinsform sich erinnert, mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Nun gibt es, o Herr, Wesen, bei denen es nicht möglich ist mit Zählen oder mit Rechnen die Dauer zu bestimmen; aber in was für einer Selbstgestaltung man auch einstmals bestanden haben mag, war es nun in formhafter Welt oder in formloser Welt, in bewußter Sphäre oder in unbewußter Sphäre oder in weder bewußt noch unbewußter Wesen Bereich: mit je den eigentümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen ist da die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen erreichbar. Da gibt es, o Herr, unübertrefflichen Bescheid, wenn frühere Daseinsform erinnernd erkannt werden soll.
«Ferner aber, o Herr, ist das unübertrefflich, wie der Erhabene die Lehre darlegt bei der Erkenntnis vom Verschwinden und Erscheinen der Wesen. Da kann, o Herr, irgendein Asket oder Priester in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Übung, in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung erringen, wo er innig im Herzen mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sieht, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Taten wiederkehren. <Diese lieben Wesen sind freilich in Taten dem Schlechten zugetan, in Worten dem Schlechten zugetan, in Gedanken dem Schlechten zugetan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, tun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, geraten sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Taten dem Guten zugetan, in Worten dem Guten zugetan, in Gedanken dem Guten zugetan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, tun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, geraten sie auf gute Fährte, in selige Welt.> So kann er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen ja nach den Taten wiederkehren. Da gibt es, o Herr, unübertrefflichen Bescheid, wenn das Verschwinden und Erscheinen der Wesen erkannt werden soll.
«Ferner aber, o Herr, ist das unübertrefflich, wie der Erhabene die Lehre darlegt bei der Entfaltung von Macht. Zwei Arten sind es, o Herr, von Machtentfaltung: es gibt, o Herr, eine Macht mit Wahn bestanden, mit Haften bestanden, die <nicht heilig> genannt wird; es gibt, o Herr, eine Macht ohne Wahn bestanden, ohne Haften bestanden, die <heilig> genannt wird. Was ist das aber, o Herr, für eine Macht, die mit Wahn bestanden, mit Haften bestanden, <nicht heilig> genannt wird? Da hat, o Herr, irgendein Asket oder Priester in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Übung, in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung errungen, wo er innig im Herzen auf mannigfaltige Weise Machtentfaltung an sich erfahren mag: als nur einer etwa vielfach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein; oder sichtbar und unsichtbar zu werden; auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser; auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde;oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in seiner Gewalt zu haben.
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Das ist, o Herr, eine Macht mit Wahn bestanden, mit Haften bestanden, die <nicht heilig> genannt wird. Was ist es nun aber, o Herr, für eine Macht, die ohne Wahn bestanden, ohne Haften bestanden, <heilig> genannt wird? Da kann, o Herr, ein Mönch, wenn er sich wünscht: <Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben>, dabei unwiderwärtig gewahrbleiben; wenn er sich wünscht: <Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben>, dabei widerwärtig gewahrbleiben; wenn er sich wünscht: <Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben>, dabei unwiderwärtig gewahrbleiben; wenn er sich wünscht: <Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben>, dabei widerwärtig gewahrbleiben; wenn er sich wünscht: <Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmütig bleiben, besonnen, klar bewußt>, dabei gleichmütig bleiben, besonnen, klar bewußt. Das nun, o Herr, ist eine Macht ohne Wahn bestanden, ohne Haften bestanden, die <heilig> genannt wird. Das ist, o Herr, der unübertreffliche Bescheid, wenn Macht entfaltet werden soll, das hat der Erhabene restlos verstanden; und weil das der Erhabene restlos verstanden hat, gibt es darüber hinaus nichts mehr zu verstehn, wobei etwa ein anderer Asket oder Priester reicher als der Erhabene an Weisheit wäre, und zwar bei der Entfaltung von Macht.
«Was da, o Herr, mit Vertrauen einem edlen Sohne erreichbar ist durch mutige Beharrlichkeit, Beständigkeit, durch Mannesgewalt, Manneskraft, Mannestapferkeit, Mannesausdauer: es ist vom Erhabenen erreicht worden. Denn der Erhabene, o Herr, ist nicht dem Genießen, am Wohlgenuß klebend, hingegeben, dem gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch keiner Selbstkasteiung hingegeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen: dagegen hat der Erhabene die vier Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben beseligen, nach Wunsch gewonnen, in ihrer Fülle und Weite.
«Wenn man, o Herr, mich da fragen würde: <Wie denn nun, Bruder Sāriputto: hat es in vergangenen Zeiten andere Asketen oder Priester gegeben, die reicher als der Erhabene an Weisheit waren, im Erwachtsein?>, so würd' ich, o Herr, auf diese Frage mit Nein antworten. <Oder wird es wohl, Bruder Sāriputto, in künftigen Zeiten andere Asketen oder Priester geben, die reicher als der Erhabene an Weisheit sein werden, im Erwachtsein?> Auch darauf, o Herr, würd' ich Nein sagen. <Wie aber nun, Bruder Sāriputto: gibt es in der Gegenwart andere Asketen oder Priester, die reicher als der Erhabene an Weisheit sind, im Erwachtsein?> Auch dies, o Herr, würd' ich mit Nein beantworten. Wenn man, o Herr, mich da fragen würde: <Wie aber nun, Bruder Sāriputto: hat es in vergangenen Zeiten andere Asketen oder Priester gegeben, die dem Erhabenen ganz gleich waren im Erwachtsein?>, so würd' ich, o Herr, auf diese Frage mit Ja antworten. <Und wird es wohl, Bruder Sāriputto, in künftigen Zeiten andere Asketen oder Priester geben, die dem Erhabenen ganz gleich sein werden im Erwachtsein?> Auch darauf, o Herr, würd' ich Ja sagen. <Wie denn aber, Bruder Sāriputto: gibt es in der Gegenwart andere Asketen oder Priester, die dem Erhabenen ganz gleich sind im Erwachtsein?> Darauf würd' ich, o Herr, mit Nein antworten. Und wenn man mich, o Herr, nun weiter befragte: <Warum hat wohl der ehrwürdige Sāriputto das eine zugegeben und das andere nicht zugegeben?>, so würd' ich, o Herr, auf diese Frage derart antworten: <Von Angesicht hab' ich es, Brüder, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: 'Es hat in vergangenen Zeiten Heilige, vollkommen Erwachte gegeben, die mir ganz gleich waren im Erwachtsein'; von Angesicht hab' ich es, Brüder, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen:
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'Es wird in künftigen Zeiten Heilige, vollkommen Erwachte geben, die mir ganz gleich sein werden im Erwachtsein'; von Angesicht hab' ich es, Brüder, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: 'Unmöglich ist es und kann nicht sein, daß in ein und derselben Weltordnung zwei Heilige, vollkommen Erwachte zugleich auftreten könnten: ein solcher Fall kommt nicht vor.'> Vielleicht hab' ich, o Herr, mit solcher Antwort auf solche Frage auch wirklich die Worte des Erhabenen gebraucht und den Erhabenen nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so daß sich da kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann.»
«Gewiß hast du, Sāriputto, mit solcher Antwort auf solche Frage auch wirklich meine Worte gebraucht und mich nicht mit Unrecht angeführt und der Lehre gemäß geredet, so daß sich da kein entsprechender Folgesatz als ungehörig erweisen kann.»
Nach diesem Bezeugnis hat der ehrwürdige Udāyī sich also an den Erhabenen gewandt:
«Wunderbar, o Herr, außerordentlich, o Herr, ist des Vollendeten Genügsamkeit, Zufriedenheit, Abgeschiedenheit, da ja doch der Vollendete so hohe Macht, so hohe Gewalt erworben hat, aber sich eben nicht zu erkennen geben mag. Wäre davon, o Herr, auch nur ein oder das andere Ding den andersfährtigen Pilgern bei sich zu gewahren möglich, sie würden damit schon eine Flagge aufhissen. Wunderbar, o Herr, außerordentlich, o Herr, ist des Vollendeten Genügsamkeit, Zufriedenheit, Abgeschiedenheit, da ja doch der Vollendete so hohe Macht, so hohe Gewalt erworben hat, aber sich eben nicht zu erkennen geben mag.»
«Ja sieh' nur, Udāyī, wie der Vollendete genügsam, zufrieden, abgeschieden bleibt, da ja doch der Vollendete so hohe Macht, so hohe Gewalt erworben hat, aber sich eben nicht zu erkennen geben mag. Wäre freilich, Udāyī, davon auch nur ein oder das andere Ding den andersfährtigen Pilgern bei sich zu gewahren möglich, so würden sie damit schon eine Flagge aufhissen. Ja sieh' nur, Udāyī, wie der Vollendete genügsam, zufrieden, abgeschieden bleibt, da ja doch der Vollendete so hohe Macht, so hohe Gewalt erworben hat, aber sich eben nicht zu erkennen geben mag.»
Da hat nun der Erhabene sich an den ehrwürdigen Sāriputto gewandt:
«Wohlan denn, Sāriputto, so magst du diesen Gedankengang wiederholt darstellen, vor Mönchen und Nonnen, vor Anhängern und Anhängerinnen. Denn wenn auch wohl, Sāriputto, unter eitlen Menschen manche am Vollendeten ein Zweifel oder ein Bedenken ankommen mag, so können auch solche, wenn sie diesen Gedankengang vernommen haben, Zweifel oder Bedenken am Vollendeten verlieren.»
So hat da der ehrwürdige Sāriputto im Angesicht des Erhabenen die Klarheit kundgetan. Darum eben ist diese Ausführung 'Um klar zu werden' benannt.
Originaltitel:
The Raft
Twelve discourses of the Buddha.