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"Wie aber können, o Herr, einen Wissenden, wie einen Sehenden, bei allen äußeren Eindrücken auf diesen mit Bewußtsein behafteten Körper da, der Ichheit und Meinheit Dünkelanwandlungen nicht ankommen?"
"Was es auch, Mönch, für eine Form sei, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Form ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also angesehn: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.'
"Was es auch für ein Gefühl, was es auch für eine Wahrnehmung, was es auch für ein Geistobjekt, was es auch für ein Bewußtsein sei, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Gefühl, alle Wahrnehmung, alle Unterscheidung, alles Bewußtsein ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also angesehn: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.' 
So können, Mönch, einen Wissenden, so einen Sehenden, bei allen äußeren Eindrücken auf diesen mit Bewußtsein behafteten Körper da, der Ichheit und Meinheit Dünkelanwandlungen nicht ankommen."
Da stieg nun einem der Mönche folgender Gedanke im Geiste auf: 'So wäre denn also die Form ohne Selbst, das Gefühl ohne Selbst, die Wahrnehmung ohne Selbst, die Geistobjekte ohne Selbst, das Bewußtsein ohne Selbst, und ohne Selbst getane Taten sollten zur Täterschaft gereichen?' Und der Erhabene, den Gedanken jenes Mönches im Geiste geistig gewahrend, wandte sich an die Mönche:
"Es mag wohl sein, ihr Mönche, daß da irgendein eitler Mensch aus Unwissen, in Unwissenheit geraten, vom Durst im Geiste Überwältigt, die Weisung des Meisters überbieten zu müssen vermeine: 'So wäre denn also die Form ohne Selbst, das Gefühl ohne Selbst, die Wahrnehmung ohne Selbst, die Unterscheidung ohne Selbst, das Bewußtsein ohne Selbst, und ohne Selbst getane Taten sollten zur Täterschaft gereichen?', fragt er. Unterwiesen seid ihr, Mönche, von mir bei solchen und ähnlichen Fragen. Was meint ihr wohl, Mönche: ist die Form unvergänglich oder vergänglich?"
"Vergänglich, o Herr!"
"Was aber vergänglich, ist das weh' oder wohl?"
"Weh', o Herr!"
"Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: 'Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst'?"
"Gewiß nicht, o Herr!"
"Was meint ihr wohl, Mönche: ist das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidung, das Bewußtsein unvergänglich oder vergänglich?"

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"Vergänglich, o Herr!"
"Was aber vergänglich, ist das weh' oder wohl?"
"Weh', o Herr!"
"Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: 'Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst'?"
"Gewiß nicht, o Herr!"
"Darum also, ihr Mönche: was es auch für eine Form sei, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Form ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also anzusehn: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.' 
Was es auch für ein Gefühl, was es auch für eine Wahrnehmung, was es auch für eine Unterscheidung, was es auch für ein Bewußtsein sei, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Gefühl, alle Wahrnehmung, alle Unterscheidung, alles Bewußtsein ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also anzusehn: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.' 
In solchem Anblick, ihr Mönche, wird der erfahrene heilige Jünger der Form überdrüssig und wird des Gefühles überdrüssig und wird der Wahrnehmung überdrüssig und wird des geistigen Gestaltens überdrüssig und wird des Bewußtseins überdrüssig. Überdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. 'Im Erlösten ist die Erlösung', diese Erkenntnis geht auf. 'Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketentum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt' versteht er da."
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
Während aber diese Darlegung stattgefunden, hatte sich bei etwa sechzig Mönchen das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.

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S.22.89. Khemaka

1. So habe ich gehört. Einst weilte eine Anzahl Mönche, Ältere des Ordens, zu Kosambī, im Ghosita-Kloster.

2. Damals nun befand sich der Ehrwürdige Khemaka krank, leidend, von schwerer Krankheit befallen, im Badarika-Kloster.

3. Als nun jene Ordensälteren sich am Abend aus der Zurückgezogenheit erhoben hatten, wandten sie sich an den Ehrwürdigen Dāsaka: "Geh, Bruder Dāsaka, begib dich zum Mönche Khemaka und sprich zu ihm also: 'So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: «Geht es dir erträglich, Bruder, geht es zufrieden stellend? Nehmen die Schmerzen ab und nicht zu; ist ein Abnehmen zu bemerken, nicht ein Zunehmen?»'"

4. "Ja, Brüder", antwortete der Ehrwürdige Dāsaka den Ordensälteren, begab sich zum Ehrwürdigen Khemaka und sprach zu ihm also: "So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: ... " (wie oben)

5. "Nicht geht es mir erträglich, o Brüder, nicht geht es zufrieden stellend; heftig sind meine Schmerzen, sie nehmen zu, nicht nehmen sie ab; ein Zunehmen ist zu bemerken, nicht ein Abnehmen."

6. Es begab sich nun der Ehrwürdige Dāsaka (wieder) zu den Ordensälteren (und berichtete ihnen die Worte des Ehrwürdigen Khemaka).

7. "Geh, Bruder Dāsaka, begib dich zum Mönch Khemaka und sprich zu ihm also: 'So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: «Fünf Gruppen des Anhangens, Bruder, wurden vom Erwachten verkündet: Die Gruppen des Anhangens <Körperlichkeit>, <Gefühl>, <Wahrnehmung>, <Gestaltungen>, <Bewusstsein>. Betrachtet nun der Ehrwürdige Khemaka aus diesen fünf Gruppen des Anhangens irgendetwas als das Selbst oder als etwas zu einem Selbst Gehörendes?»'"

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8. "Ja, Brüder", antwortete der Ehrwürdige Dāsaka den Ordensälteren, begab sich zum Ehrwürdigen Khemaka und sprach zu ihm: "So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: 'Fünf Gruppen ... '" (wie oben)

9. "Fünf Gruppen des Anhangens, Bruder, wurden vom Erhabenen verkündet: die Gruppen des Anhangens 'Körperlichkeit' ... 'Bewußtsein'. Nicht betrachte ich aus diesen fünf Gruppen des Anhangens irgendetwas als das Selbst oder als etwas zu einem Selbst Gehörendes."

10. Es begab sich nun der Ehrwürdige Dāsaka (wieder) zu den Ordensälteren (und berichtete ihnen die Worte des Ehrwürdigen Khemaka).

11. "Geh, Bruder Dāsaka, begib dich zum Mönch Khemaka und sprich zu ihm also: 'So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: «Wenn der Ehrwürdige Khemaka nichts aus diesen fünf Gruppen des Anhangens als das Selbst betrachtet oder als etwas zu einem Selbst Gehörendes, so ist der Ehrwürdige Khemaka also ein Heiliger, ein Triebversiegter?»'"

12. "Ja, Brüder", antwortete der Ehrwürdige Dāsaka den Ordensälteren und begab sich zum Ehrwürdigen Khemaka und sprach zu ihm also: "So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: 'Wenn der Ehrwürdige Khemaka...'" (wie oben)

13. "Nicht betrachte ich, Bruder, aus diesen fünf Gruppen des Anhangens irgendetwas als das Selbst oder als etwas zu einem Selbst Gehörendes; doch nicht bin ich ein Heiliger, ein Triebversiegter. Aber es kommt mich da bei den fünf Gruppen des Anhangens insgesamt (*f178) doch noch (das Gefühl) an 'ich bin (*f179)'; doch das betrachte ich nicht aus falscher Ansicht als 'Dieses bin ich'."

14. Es begab sich der Ehrwürdige Dāsaka nun wieder zu den Ordensälteren (und berichtete ihnen die Worte des Ehrwürdigen Khemaka).

15. "Geh, Bruder Dāsaka, begib dich zum Mönch Khemaka und sprich zu ihm also: 'So, Bruder, sprechen zu dir die Ordensälteren: «Wovon du, Bruder Khemaka, sagst <ich bin>: Was ist es, das du als <ich bin> ansprichst? Sagst du: <Die Körperlichkeit bin ich>? Sagst du: <Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewusstsein bin ich>? Wovon du, Bruder Khemaka, sagst <ich bin>: Was ist es, das du als <ich bin> ansprichst?»'"

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16. "Ja, Brüder", antwortete der Ehrwürdige Dāsaka den Ordensälteren und begab sich zum Ehrwürdigen Khemaka und sprach zu ihm also: "So, Bruder Khemaka, sprechen zu dir die Ordensälteren: 'Wovon du, Bruder Khemaka, sagst «ich bin» ...'" (wie oben)

17. "Genug, Bruder Dāsaka! Wozu dieses Hin- und Hergehen! Bring mir den Stab, ich will mich nun selbst zu den Ordensälteren begeben."

18. Und auf den Stab gestützt begab sich der Ehrwürdige Khemaka zu den Ordensälteren. Dort angelangt tauschte er höfliche, freundliche Begrüßung mit ihnen aus und setzte sich zur Seite nieder.

19. Und die Ordensälteren Sprachen zum Ehrwürdigen Khemaka also: "Wovon du, Bruder Khemaka, sagst 'ich bin: Was ist es, das du als 'ich bin' ansprichst? Sagst du: 'Die Körperlichkeit bin ich'? Sagst du: 'Außerhalb der Körperlichkeit bin ich'? Sagst du: 'Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewusstsein bin ich'? Sagst du: 'Außerhalb von Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewusstsein bin ich'? Wovon du, Bruder Khemaka, sagst 'ich bin': Was ist es, das du als 'ich bin' ansprichst?"

20. "Nicht sage ich, Brüder: 'Die Körperlichkeit bin ich'. Nicht sage ich: 'Außerhalb der Körperlichkeit bin ich'. Nicht sage ich: 'Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewusstsein bin ich'. Nicht sage ich: 'Außerhalb von Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen - Bewusstsein bin ich'. - Vielmehr, was mich da bei den fünf Gruppen des Anhangens (mit dem Anspruch) 'ich bin' ankommt, das betrachte ich nicht also: 'Dies bin ich'.

21. Es ist, Brüder, wie mit dem Duft einer blauen, roten oder weißen Lotusblüte. Wer da sagt: 'Im Blatte ist der Duft - in der Farbe ist der Duft - in den Staubfäden ist der duft’ - würde ein solcher Recht sprechen?" - "Gewiss nicht, Bruder." - "Wie nun aber, Brüder, würde er recht erklären?" - " 'In der Blüte ist der Duft': so sprechend, Bruder, würde er recht erklären."

22. "Ebenso auch, Brüder, sage ich nicht: 'Die Körperlichkeit bin ich’ ... (wie 20)
23. Wenn auch, ihr Brüder, einem edlen Jünger die fünf niederen Fesseln zum Schwinden kommen, so ist da dennoch hinsichtlich der fünf Gruppen des Anhangens ein geringes, noch nicht beseitigtes Maß des Dünkels 'ich bin', des Willens 'ich bin', der Neigung 'ich bin'.